Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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aus Arabien oder Nordindien kommt. Man soll Haifischlebern in Trögen verwesen lassen, bis das Öl austritt, das vermischt mit Kalk zum Dichten der arabischen Dhau-Fahrzeuge dient. Dies Öl soll in Bombay wagli heißen, in Ostafrika ist es als sifa bekannt. Der ranzige Geruch der Dhaus ist ihm zuzuschreiben. Von der Malabar-Küste kommt außerdem noch ein übelriechendes Fischöl, das aus kleinen Sardinen-artigen Fischen bereitet werden soll.

Eine Zeit lang wurden bei uns Trepang (Beche de mer) in 23 Sorten ge­sammelt, präpariert und ausgeführt, und zwar durch das Perlfischerei-Syndikat. Die großen, im tieferen Wasser lebenden Holuthurien sollen den besten Trepang ge­geben haben. Die Tiere werden abgekocht, aufgeschnitten und im Rauch ge­trocknet.*) Der Export wird wohl nur nach Singapore gegangen sein, wo dem Vernehmen nach gute Preise erzielt wurden. Doch scheint sich bei den großen Unkosten die Industrie nicht gelohnt zu haben, denn man arbeitete mit malayischen Tauchern und Taucherapparaten. Die Konzession ist aber heute noch in den Händen jenes Syndikates.

Den Europäern, welche Liebhaber von Curry mit Reis sind, ist der kleine Trockenfisch bekannt, der geröstet dem Reis zerrieben zugesetzt wird und den man allgemein » Bombay Duck « nennt. Es ist ein kleiner schuppiger Siluroid, Harpodon nchereus, der in Indien bummalo oder nehare genannt wird. In Zanzibar sind diese Fische immer zu erhalten. Seltener sind dagegen die winzigen in einer roten Sauce konservierten sogenannten Makassar-Fischc, die auch zum Curry gehören. Diese rote Sauce ist eine Bakterien-Kultur, die mit der Bakterie der »blutenden Hostie« verwandt oder identisch ist und die wie diese als Stoff- wechselprodukt Trimethylamin mit seinem Geruch nach Heringslake erzeugt.

Aale und Muränen (mkunga) werden von den Mohammedanern nicht ge­gessen, man hält sie für Schlangen. Auch der höchst merkwürdige Lungen­fisch (Protoptcrus), der als kambarc mamba am Victoria-See, als mdoe am Zambezi allgemein bekannt ist, wird meist verschmäht.

6. Hippopotamus amphibius L.

In fast allen Gewässern von Ostafrika ist das Flußpferd recht häufig, nur dort, wo reger Verkehr ihm Beunruhigungen bringt, verschwindet es. Den an­wohnenden Landleuten sind diese Riesentiere eine große Plage. Bisweilen gehen sie auch recht weit ins Meer hinaus, sind sogar manchmal nach Zanzibar ver­schlagen worden. Ihre Haut wird in derselben Art wie die des Rhinoceros benutzt, ist aber viel weniger gesucht.

*1 Eine ausführliche Darstellung der Präparation soll sich nach Yule u. Burnell in der mir nicht zugänglichen Tijdschrift von Nederlandsch Indie. XVII. befinden. Der Aus- dtuck beche-dc-mer, englisch beech de mer soll aus dem Portugiesischen bicho-da-mar kommen. Die Angloindier nennen den Trepang noch swalJow, entstanden aus der Benennung in Makassar xumil/ä. Trißang, terißang ist der malayische Name.