Das Tier wird bei uns sungiira genannt, ebenso wie der Hase, der bei den Swahili in den Erzählungen dieselbe Rolle als kluges Tier spielt, wie bei uns der Reineke Fuchs.
Ovis aries L.
(Vergleiche Verbreitungskarte über Kleinviehzücht, Seite 720.)
Das Hausschaf ist wie die Ziege schon in vorhistorischer Zeit Genosse des Menschen geworden. Während einige es von nur einer Stammart ableiteten, ist man jetzt überzeugt, daß alle die verschiedenen Rassen von mehreren wilden Tieren abstammen. Nach der Ansicht von Keller kann man drei Bildungsherde erkennen. Der europäische lag vermutlich im Osten des Mittelmeers, von wo aus Rassen ausgingen, deren Stammvater der Mufflon (Ovis musimon Schrcb.) war, die aber in Europa fast die spätesten Ankömmlinge gewesen zu sein scheinen. Es sind die nordischen Kurzschwanzschafe, die für unsere afrikanischen Verhältnisse nicht in Betracht kommen. Der afrikanische Bildungsherd hat wahrscheinlich das afrikanische Mähnenschaf benützt, Ovis (Ammotragus) tragc- laphus Dcsm., mit ziegenartigem Kopf, geraden Nasen, in flachem Bogen nach außen gehenden Hörnern, ohne Tränengruben, einer Kehl- und Beinmähne und langem, mit Endquaste versehenen Schwanz. Wahrscheinlich wurde dies Tier in Nordafrika domestiziert, wo man schon in vorpharaonischer Zeit Abbildungen davon auf der sogenannten Negadah-Platte fand. Im mittleren Reich treten dann verschiedene Kulturformen davon auf, während die ammonshörnigen Widder der vielen ägyptischen Monumente erst dem neueren Reich und einer vielleicht von Asien eingeführten Rasse angehören. Vermutlich gehörte das älteste Schaf Europas, das Torfschaf der Pfahlbauten, auch zu diesem Formenkreis, es hat sich noch als Bündnerschaf in den Alpen erhalten. Zu diesen Schafen mit ziegenartigem Kopf gehört das Dinkaschaf vom weißen Nil, das Ziegenhörner und an Hals und Brust einen Mantel von langen schwarzen Haaren hat. Es besitzt nur einen langen dürren Schwanz. Verwandt damit soll das Nedje-Schaf aus Zentralarabien sein.
kindlich ist auch in Asien ein Wildschaf, und zwar anscheinend der Arkal, Ovis arkal Br dt. domestiziert, das heute noch wild vom Kaspisee bis Persien lebt. Merino, Zackeischaf, die Fettschwanz- und P'ettsteißschafe scheinen hiervon abzustammen. Schon auf alten assyrischen Monumenten aus der Zeit von Tiglat Pilesar (745 v. Chr.) wird das Fettschwanzschaf als Beute aus einer jüdischen Stadt abgebildet, bei 3. Moses III., 9 wird es auch erwähnt; diese Rassen sind jedenfalls uralt und gehörten wahrscheinlich dem semitischen-babylonischen Kulturkreis an.
Geklärt scheint mir die Abstammungsfrage der Schafe aber noch nicht ganz zu sein. Mit dem Schaf ist für uns Isuropäer immer der Begriff Wolle verbunden, aber diese ist unzweifelhaft ein Produkt der Züchtung, sie ist offenbar durchaus nicht allein vom Klima abhängig, denn in Indien gibt es in feuchtheißen Gegenden