Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
739
Einzelbild herunterladen
 

1 39

Equus tigrinus Johnst.

Das Zebra des Kilimandjaro steht nach den Untersuchungen von Noaclc (Zool. Anz. 1902/1903) in der Mitte zwischen den Formen E. Crawshawi- Granti und E. Selousi (Johns ton unterscheidet folgende Arten von Zebras: Equus (Hipp otigri s) Quagga, Zebra, Grevyi, tigrinus, letztere mit den Varietäten Burchcllii, Capmanuii, Grantii und Sclousii.)

Das Zebra heißt bei den Swahili punda milia. bei den Wanyamwezi ndulit, den Waganda mdulegge, den Wagogo nhcngc. Es kommt in allen Steppen­gebieten Ostafrikas vor, scheint aber im Zwischenseengebiet zu fehlen. Uns interessiert besonders das vom Kilimandjaro.

Zebra sind am Kilimandjaro, besonders durch Herrn Bronsart von Schellendorf, in den letzten Jahren in Mengen gefangen und meist durch die Firma Hagenbeck in den Handel gekommen. Sie wurden auch bei uns in Daressalam von der Truppe zum Reiten und Fahren abgerichtet, ebenso wie das schon früher Ro t lischilei in England gemacht hat. Sogar in Neapel sieht man jetzt regelmäßig zu Reklamezwecken ein Zebragespann. Zuerst in Amerika, dann auch in Deutschland, z. B. im Gestüt Poggelow des Herrn Dr. Schröder, und ebenso im Gestüt der Truppe in Daressalam wurden Kreuzungen vom Zebra­hengst und der Pferdestute, sogenannte Zebro'ide, gezogen, die bessere Eigen­schaften als die Zebra haben sollen. Diese sind nämlich bissig und unzuverlässig, sie erfordern einen geübten und immer aufmerksamen Reiter. Es ist ja immerhin möglich, daß sich diese Kreuzungen bewähren, und daß man sie auch praktisch benützen wird. Aber ich glaube nicht recht an die ökonomische Seite der Sache. Die Nachkommen werden wie die Maultiere unfruchtbar sein, man muß also immer neue Zebra fangen, was recht kostspielig und zeitraubend ist. Am Kilimandjaro wenigstens haben sich die Ausgaben für das Fangen nicht bezahlt- gemacht, die Kilimandjaro-Straußenzucht-Gesellschaft mußte diese Tätigkeit ein­stellen. Der Hauptgrund, den man für die Zebras immer anführte, war, daß sie als einheimische Tiere gegen die Tsetse unempfindlich sein sollen. Diese Hoffnung scheint aber durch die auf dem Institut für Infektionskrankheiten in Berlin gemachten Experimente nicht einzutreffen: die dort geimpften Zebras er­krankten ebenso wie' andere Säuger an der Tsetse.

Von der ganzen Domestikation von wilden Tieren halte ich nur sehr wenig. Man bedenke doch, daß im Laufe von vielleicht mindestens 7000jahren die Menschen, die im Altertum sehr viel Zeit und keine Nerven hatten, die außerdem auf Tiere zum Transport viel mehr angewiesen waren, als wir, die wir mit Eisenbahnen und Automobilen arbeiten, daß die Menschen im Laufe ihrer ganzen Kultur­geschichte von den unendlich vielen Säugetieren (ca. 2300 lebende Arten nach Leunis) nicht viel mehr als etwa ein Dutzend wirklich domestiziert haben. Die ge­zähmten Antilopen, die man im alten Ägypten hatte und die vielleicht zum Teil wenigstens kastrierte Böcke waren, kann man nicht als Haustiere rechnen, denn

47 *