Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
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Zu erwähnen ist noch, dal.' alle Hunde ganz außerordentlich empfindlich gegen die Tsetse-Krankheit sind und, einmal von infizierten Glossinen gestochen, langsamer oder schneller ihrem Ende entgegengehen.

Capra hircus L.

(Siehe Verbreitungskarte über Kleinviehzucht.)

Die Hausziege ist wohl eins der ältesten Tiere, das der Mensch sich dienstbar machte und das er an seinen Hausstand gewöhnte. Die Völker­wanderung der Indogermanen scheint sie schon aus i Irrer Heimat mitgebracht zu haben, wenigstens fand man Ziegenreste in den Pfahlbauten. Man ist sich heute darüber klar, daß die meisten Ziegenrassen von der vorderasiatischen Wildziege, Capra (Hircus) aegagrus Gml., der Besoarziege, abstammen, die noch jetzt vom Kaukasus und Transkaspien durch Persien, Afghanistan und Be- ludschistan bis nach Sind wild zu finden ist. Auch auf Kreta lebt sie. Neben dieser Art hat auch wahrscheinlich noch die Capra (Hircus) Falconeri Hügel., der Markhor, als Stammvater einiger Rassen und zwar der Kaschmir­ziege gewirkt, sie kommt in Kaschmir und Nordwest-Pendjab vor. Ob auch der Himalaya-Steinbock, Capra sibirica Meyer vom westlichen Himalaya, der abessinische Steinbock Capra Walic Rüpp, der nubische C. nubiana, der Sinai-Bock C. sinaitica Ehrbg., sowie C. Mengesii und C. Bede?i Wgr. aus Südarabien ebenfalls bei der Gestaltung von Ziegenrassen mitwirkten, ist zum mindestens nicht sehr wahrscheinlich, wohl aber hat der Thar, Capra (Hemi- Iragus)jemlahica Griff, aus dem Himalaya, Kaschmir und Nepal, vielleicht zu­sammen mit C. hylocrius Oligby aus den Nilgerries und C. Jayakari aus dem südöstlichen Arabien einige Rassen gebildet, die auf den Sunda-Inseln und an der Malabarküste leben und sich durch schafartige Köpfe auszeichnen sollen. Unsere afrikanischen Ziegen aber werden mit fast völliger Sicherheit alle von der Besoarziege abstammen, was schon allein dadurch wahrscheinlich ist, daß unter ihnen so häufig die Farbenrückschläge zur Stammform mit fahlgelbem hell und einem dunklen Längsstreifen auf dem Rücken, einer geringen Quer­bänderung auf den Schultern und einem dunklen Streifen von der Hornbasis durch das Auge bis zum Maul Vorkommen.

Die Ziege ist so recht das Haustier für die Kleinwirtschaft, und ganz be­sonders ist sie dem Hackbau des Negers angepaßt! Sie ist hart und widerstands­fähig, auch braucht sie wenig Pflege, wozu die meisten Bantuneger gar kein Talent haben. So kommt es, daß wir sie fast überall finden, wo nicht die Tsetse das Halten derselben verbietet. Aber meist ist sie in wenigen Exemplaren vorhanden, nur die spezifisch viehzüchtenden Völker, wie Massai, Wagogo und andere haben oft bedeutende Herden davon. Sie wird viel häufiger als das Schaf gehalten. Es ist merkwürdig, daß bei der Ankunft der Europäer in Süd­afrika die Hottentotten nur Schafe und keine Ziegen gekannt haben sollen. Ich