Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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pflegen die Juden am Tage des Laubhüttenfestes mit einer Zitrone in der Hand in die Synagoge zu gehen,*) und deshalb meint man, daß das Wort hadar des alten Testamentes die Zitrone bezeichne. (Aber Rosso macht darauf aufmerk­sam, daß dies Wort einfach eine schöne Frucht bedeutet habe.) Es wird sich im Altertum auch um die Cedrat-Zitrone gehandelt haben. Boravia schreibt, daß sie in Ägypten 3300 v. Chr. bekannt waren.

Die Perser nennen die Cedrat-Zitrone torong, turanj, die Araber atrog, altrung, utraj, utrcj, utarinji, die Spanier toronja, in Tunis tronj, also überall der altchaldäische Name.

Während des Alexanderzuges lernten die Griechen diese Frucht in Medien und Persien kennen, sie wird von Theophrast ca. 300 v. Chr. richtig be­schrieben als Mclca mcdica, Apfel aus Medien, daraus ist dann die lateinische Bezeichnung C. mcdica entstanden. Man glaubte, daß ihr Duft Krankheiten und Ungeziefer vertriebe, was man ebenfalls von der Zeder behauptete, so nannte man sie auch nach der Zeder kitrca, kitrion, lateinisch citros, citrus, heute in Italien ccdro. Das »Citrosholz« des Altertums, aus dem man die wertvollen Tische machte, hat nichts mit der Zitrone zu tun, es war das Holz eines zedern­artigen Baumes, Callitris quadrivalvis aus dem Atlasgebirge in Lybien und Numidien.

In Kultur genommen wurde die Cedrat-Zitrone im Mittelmeergebiet aber erst später, zu Plinius Zeiten zog man sie noch nicht im Freien, sondern nur in Galerien, sie ward zuerst in Syrien und Ägypten in der ersten Kaiserzeit ge­baut, wanderte allmählich nach Westen, 150 n. Chr. findet man sie bei Neapel und auf Sardinien im Freien, aber mehr als Kuriosität, im 3. Jahrhundert war sie so veredelt, daß sie als genießbar bezeichnet wird, um 1000 ist sie in Salerno massenhaft angebaut.

Somit ist dies die erste Citrusart, mit welcher das Abendland bekannt wurde. Es scheint aber, daß sie sich nach Ostafrika nicht verbreitete.

9. Citrus medica Limonum Hook. Var. vulgaris Risso.

ist das, was wir im deutschen Zitrone, im italienischen Limone, im französischen Limonicr, Citronicr nennen.**) Diese sauren, länglich-eiförmigen, meist zitzenför- mig-verlängerten Früchte mit gelber, etwas rauher Schale und stark saurer Pulpa wurden im Abendlande viel später als die vorige Sorte bekannt. Erst die Araber

*) Die Zitrone galt für faulnis- und krankheitswidrig. Man legt heute noch in vielen Orten den Leichen eine Zitrone (allerdings nicht Cedratzitrone, sondern die saure) in der Hand, auch tragen die Leidtragenden bisweilen diese Früchte.

**) Schweinfurth fand in Abessinien am Berge Fifil in 7501000 m Meereshöhe eine wilde Limone, die ganz gleich wie C. Limonum Risso var. fiusilla Risso aussah; außerdem auch wilde Pomeranzen in 16001950 m. Ebenso soll es welche auf Socotra geben.

Es ist nicht undenkbar, daß es sich bei diesen Pomeranzen um ähnliche Verwilderungen aus der Zeit der persisch-arabischen Kolonisation handelt, wie wir sie hier in Ost-Afrika haben.