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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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Früchte haben ungefähr 56 cm Durchmesser und sind an den Polen abgeplattet oder sogar etwas eingezogen. Ihr Fruchtfleisch schließt in der Mitte nicht dicht zusammen und die einzelnen Loben hängen nur lose miteinander zusammen. Die Pulpa ist dunkelorangefarben, nicht so saftig wie bei den Orangen, eher etwas fest und trocken aber recht angenehm säuerlich-süß und aromatisch.

Diese Pflanze halte ich für eine echte Mandarine und zwar für die Var. Vangassaye , die in Reunion viel gebaut wird. Sie ist bei uns nicht häufig, hier in Bonde'i soll sie bei Muheza wachsen. Die Art stammt sicher aus dem südlichen Asien, Cochinchina oder Südchina, wo die Chinesen sie kan, die Anna- mesen cam-quit nennen. Auf den Sundainseln ist sie seit langem weit verbreitet, in Ost-Indien aber eine neue Einführung; nach Südeuropa ist sie erst Anfang des 19. Jahrhunderts gekommen. In Tunis wird sie madalhia genannt.

Genaueres über ihre Einführung weiß ich nicht, möchte aber annehmen, daß der Name kangaja eine Verdrehung des creolenfranzösischen Wortes vangassay ist (?), und daß sie mit manchen anderen Fruchtbäumen, ich erinnere nur an die Gewürznelke, aus Reunion im Anfang des 19. Jahrhunclers oder auch noch später eingeführt ist. Mit dieser Insel fand etwa bis 1840 ein reger Ver­kehr statt von' Schiffen, welche Sklaven dorthin brachten; außerdem wurden nach­weislich von Zanzibar etwa im Jahre 1800 einige Leute (Flarameli bin Saleh) nach Reunion geschickt, um von dort Kulturpflanzen zu holen. Jedenfalls ist diese Sorte in den 40er Jahren zur Zeit von Krapf hier schon vorhanden gewesen.

Ob die in Zanzibar chcnza ya kiadjimi (persische) bezeichneten Mandarinen­ähnlichen Früchte hierher oder zur Snntara zu rechnen sind, kann ich noch nicht entscheiden.

8. Citrus medica genuina Engl.

Die eigentliche Cedrat-Zitrone ist in Ostafrika meines Wissens nicht vor­handen. Wir müssen sie aber trotzdem hier kurz besprechen, weil sie für die Geschichte der Citrusfrüchte von großer kulturhistorischer Bedeutung ist. Die längliche, oft warzige und sehr dicke Rinde hat eine aromatische und süßliche Innenrinde, die Pulpa ist sehr klein und sauer, fehlt manchmal fast ganz. Ge­nießbar ist also die Rinde, die kandiert als »Zitronat, Sukkade« in den Handel kommt. Die Zitrone ist In den Bergen am Fuß des Himalaya wild von Gharwal bis Sikkim, in Chittagong und in Birma. Sie ist entweder dort oder vielleicht etwas mehr östlich zuerst in Kultur genommen und jedenfalls in Nordindien seit der ältesten Zeit in Kultur, wahrscheinlich viel früher als die anderen Citrus­arten. Ihr Sanscrit-Name war vijapnra. In den heutigen indischen Sprachen heißt sie bijattra, mahalunga, mavalung. Alle diese Ausdrücke haben sich aber nicht im Westen verbreitet. In grauer Vorzeit schon ist sie nämlich nach Meso­potamien und Medien verbreitet worden. Etrog, etrogin hieß sie bei den Chal­däern, die Juden müssen sie von hier sehr früh erhalten haben. Noch heute