Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

76

Ankunft der Portugiesen 1498 gerade in Mtangata gute süße Orangen gab, er­wähnte ich oben. Da nun die Niederlassung bei Mtangata zwar noch eine Zeit­lang während der Herrschaft der Portugiesen blühte, denen die Einwohner einige Male Kriegshilfe leisteten, später aber zurückging und meist von den aus dem ferneren Inneren gekommenen Wassegeyu eingenommen wurde, jedenfalls neuer­dings kaum durch Fremde kolonisiert wurde, glaube ich annehmen zu müssen, daß die Pampelmusen dort doch schon vor ziemlich langer Zeit eingeführt wurden, mindestens von den Portugiesen, die sie von Südindien gebracht haben werden. Der Baum heißt hier mbclungi, mbalungi. Es ist möglich, daß dieser Ausdruck durch eine Verwechselung mit der Cedrat-Zitrone entstanden ist, die im Bombay- Dialekt mahalunga heißen soll, in der dravidischen Malayalam-Sprache heißt die Pampelmuse bombeli-marunga, das Wort kann demnach auch daher kommen, jedenfalls ist es indisch. Unsere Javanen nennen sie jeru-guhmg.

Es scheint mir, als ob dieser Baum demnach vor oder in der Portugiesen­zeit hierher aus Indien eingeführt wurde.

Bei der hiesigen Varietät ist das Blatt bedeutend größer als bei der süßen und bitteren Orange, 18 cm mit Stiel lang, der Stiel ist sehr breit geflügelt, bis 12 mm jederseits. Die Blätter sind fast geruchlos, in der Durchsicht bemerkt man nur sehr wenige Öldriisen.

5. Citrus aurantium japonica Hook.

Von dieser strauchförmigen Sorte ist in der Kolonie meines Wissens erst ein einziges Exemplar vorhanden, das etwa 1900 eingeführt wurde und in Mombo steht. Es trägt seit einigen Jahren im Januar eine Menge kleine, kirschrote, kugel­runde Früchtchen, die sehr viel Gummi ausschwitzen. Die Blätter sind klein.

Die Früchte sind roh kaum genießbar, geben aber nach Entfernen der Kerne, von denen jede Frucht nur einen oder zwei hat, mit viel Zucker einge­kocht ein sehr aromatisches Kompott, das z. B. zur Garnierung von Gebäck sich recht eignet. Die Früchte haben nur etwa 11/t cm Durchmesser. Es wird sich also um die Varietät globifcra Engl, handeln und zwar eine recht bittere Form derselben.

Die in Zucker eingekochte Konfitüre ist in Europa unter ihrem chinesischen Namen kum-quat erhältlich. Vielleicht läßt sich mit der Zeit auch unsere ost­afrikanisches Kum-quat in den heimischen Delikatessenläden einführen.

6. Citrus Aurantium Suntara Engl.

Eine großfrüchtige Sorte von Orangen-Früchten mit lockerer Schale wird hier meist alsMandarine bezeichnet. Sie wird von den Leuten in Zanzibar und an der Küste chensa genannt.

Es ist mir sehr wahrscheinlich, daß wir es hier nicht mit der Mandarine odei Tangarine, C. nobilis, zu tun haben, die ganz kleine, lanzettförmige und