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reich und Italien das Bigarade-Öl mit 2 '/ 3 °/o des Schalengewichtes gewonnen wird. Auch werden die getrockneten Schalen als Pomeranzenschalen verkauft, aus den jungen Trieben und den unreifen Früchten wird das Petitgrain-Öl gewonnen, die Blätter werden als P’olia Aurantii verkauft und aus den Blüten wird das wertvolle Neroliöl oder Nafaöl gewonnen.
Hier auf den Pflanzungen als Nebenprodukt die ätherischen Öle durch Ausquetschen auf einem Schwamm herzustellen wird zu kompliziert und kostspielig sein, als daß man die süditalienische Konkurrenz aufnehmen könnte, wo davon jährlich für etwa 10—15 Millionen Francs (alle Agrumenöle zusammen) ausgeführt werden, von denen in Hamburg allein jährlich für 120000 Mk. zur Einfuhr kommen. Die Destillation gibt aber ein minderwertiges Produkt. Man wird jedoch an die Gewinnung der Pomeranzenschale denken können, die sich ohne Apparate und mit wenig Arbeitskräften hersteilen läßt, wenn man die Früchte vor dem Gebrauch bei der Kautschukbereitung in ganz feinen Spiralstreifen abschält und die Schale dann im Schatten trocknet.
Zwanzig große, orangerote Früchte, dünn in Spiralen geschält, gaben 830 Gramm frische Schale, sie wogen selbst 6000 Gramm, also die Frucht durchschnittlich 300 Gramm, gab 41,5 Gramm Schale. 25 griinschalige, nicht ganz reife Früchte wogen 3900 Gramm, die Schalen wogen frisch 478 Gramm, also das Stück von 156 Gramm gab 19,6 Gramm frische Schale. Getrocknet gaben die 20 ersten 290 Gramm, demnach 14V2 Gramm pro Frucht, die letzteren kleineren 25 Stück 130 Gramm, also pro Frucht 5,2 Gramm Schale.
Der Bedarf zu Hause scheint ziemlich groß zu sein; an Zitronen- und Orangenschalen zusammen wurden nach der Statistik der Hamburger Handelskammer dort allein eingeführt:
1904 3057 Dz. im Wert von 126250 Mk.
1905 5863 „ „ „ „ 264410 „
Wieviel davon auf Pomeranzenschale kommt, weiß ich allerdings nicht. Getrocknete Pomeranzenblätter (Folia Aurantii Ia.) kosten nach Gehe’s Katalog pro Kilo 1,00—1,40 Mk., getrocknete grüne Orangenschalen pro Kilo 0,40—1,00 Mk., das Pomeranzenöl das Kilo 16 Mk. Die Einkaufspreise werden natürlich viel geringer sein und sich sehr nach der Qualität richten.
3. Citrus Aurantium sinensis Gail.
Die Süße Orange. Als die Portugiesen ihre erste Entdeckungsfahrt nach Indien machten, fanden sie an der ost-afrikanischen Küste schon Orangen. Als Vasco da Gama s Schiffe in der Gegend der von ihnen »Baixas de San Rafael« genannten Untiefen lagen, die ganz nahe bei Tanga oder Tangata gelegen haben müssen, und wo sie den nahen Usambara-Bergen den Namen »Serras de San Rafael« gaben, da brachten zwei Bote mit Mohammedanern Apfelsinen an Bord, die besser als diejenigen in Portugal waren. Und als die Portugiesen auf den Inseln des südlichen Asiens ankamen, da schrieb der sie begleitende Florentiner