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Ergebnisse der Arbeiten des Samoa-Observatoriums der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen
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DIE BRANDUNGSBEWECUNGEN DES ERDBODENS UND EIN VERSUCH IHRER VERWENDUNG. 19

niedrigsten Wasser stände wirkt das Wasser von allen Seiten gleichmäßig, weil die Halbinsel nur eine geringe Breite hat. Infolgedessen kann wohl eine Sen­kung des ganzen Gebietes, aber nicht eine Neigung zustande kommen. Wenn aber die Flutströmung einsetzt, übt das von einem nordöstlichen Biffeinlasse hereinströmende Wasser einen einseitigen Druck aus, während bei wieder auf demselben Wege hinausströmendem Wasser die noch viel Wasser enthaltende Halbinsel ihrerseits einen großem Druck ausübt und eine Neigung bewirkt.

Die Folge davon ist, daß sich bei steigendem Wasserstande eine Neigung des Bodens nach Nordost, bei fallendem eine Neigung nach Südost am Seismo­graphen bemerkbar machen muß. Das tritt dadurch in Erscheinung, daß die Kurven der Begistrierung einen andern Abstand von einer Basislinie oder von einander haben, als dem Schraubengange der Axe der Registrier walze entspricht.

Bei ganz besonders stark ausgebildetem Flutwechsel war einmal die Ge­zeitenströmung so stark, daß die Kurven durch einander liefen. Die maximalen Neigungen betrugen dabei mehr als eine Bogensekunde.

Die Registrierungen der Brandnngshewegungen in Apia.

Die folgenden Tabellen sind was den seismischen Teil anbetrifft Aus­wertungen der Begistrierungen eines Wie eher t sehen 1000-kg-Pendels während der Jahre 1905 und 1906 am Samoa-Observatoriuin in Apia. Das Observatorium liegt auf der äußersten Spitze einer schmalen Halbinsel, welche etwas über 1 km weit in die vom Korallenriff gebildete Lagune vorspringt (s. Tafel 3). Der Seismograph steht auf einem Pfeiler, welcher durch den Sand hindurebgeht und auf dem Korallenriff fußt, dessen oberer Band aber nur 1£ m über das Mittelwasser sich erhebt. Die doppelwandige Holzhütte, welche den Apparat birgt, ist nicht tief fundiert sondern ruht oben auf dem feinen Sande. Sonnenstrahlung, Sturm und Begen hält ein luftiges Schutzhaus nach samoanischem Muster ab, dessen Dach eine dicke Schicht Zuckerrohr, dessen Wände aus Kokospalmenblättern geflochtene Jalousieen bilden. Innerhalb des Glaskastens, welcher das Instru­ment unmittelbar umgibt, ändert sich die Temperatur nur um wenige Zehntel Grad im Laufe des Tages. Luftströmungen und Wirbel im Kasten, welche oft die Seismographen mit geringer Pendelmasse stören, sind niemals bemerkt worden. Der Sandboden dämpfte die nicht ganz zu vermeidenden Erschütterungen recht gut, sodaß schwere Wagen, welche etwa 3 m am Pfeiler vorbeifuhren, außer feinen Erzitterungen nicht mehr als etwa £ Bogensekunde Ausschlag hervorriefen.

Die Empfindlichkeit des Seismographen auf Neigung lag zwischen 12 und 20 mm pro Bogensekunde, die Vergrößerung zwischen 120 und 160, die Eigen­periode betrug zwischen 10 und 12 Sekunden, das Dämpfungsverhältnis zwischen 1 : 3 und 1 : 6, die Begistriergeschwindigkeit zwischen 90 und 100 cm pro Stunde. Die großen Änderungen der Konstanten rühren daher, daß einige Male ein­zelne Teile ausgewechselt worden sind.

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