Mehrteiliges Werk 
Ergebnisse der Arbeiten des Samoa-Observatoriums der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen
Entstehung
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FRANZ LINKE,

Teile der erteilten Energie, den Oberflächenwellen zu tun. Lord Rayleigh hat gezeigt, daß die von einem Erregungszentrum ausgehenden longitudinalen und transversalen Wellen an der Erdoberfläche eine neue Wellenbewegung hervor- rufen, deren Geschwindigkeit allein abhängig ist von den elastischen Konstanten,

nämlich 0.96 SJ, wo ft der Modul der Steifigkeit, q die Dichte der obersten ' Q

Erdschichten ist. Diese Oberflächenwellen spielen in den Hauptwellen der Erd­beben die größte Holle. Dabei ist ihre Geschwindigkeit im Mittel als 3.3 km p. Sek. gefunden worden. Auch an den Brandungsbewegungen haben sie, wie wir annehmen dürfen, den wichtigsten Anteil. Ihre Periode ist durch die der Brandung vorgeschrieben.

Es kann keine Schwierigkeiten machen, sich vorzustellen, daß die Summie­rung aller Wellen, welche von einer langen Küste ausgehen, sofern sie nur die gleiche Periode haben, in einer Entfernung wieder eine Wellenbewegung von derselben Periode geben muß. Denselben Eall haben wir bei den Erdbeben, welche längs einer großen Bruchspalte erfolgen. Sofort klar wird es, wenn man sich an das Analogon aus der Akustik erinnert: Wenn eine große Anzahl von Instrumenten den gleichen Ton angiebt, werden auch verschiedene Phasen gleichzeitig am Ohre eines Beobachters eintreffen, dennoch schwingt die Luft stets nur in der dem Tone eigenen Periode. So müssen auch die einzelnen Brandungswellen, welche an einer Station fern der Küste registriert werden, stets die richtige Periode aufweisen. Die ganze Erscheinung wird hingegen um. so turbulenter sein, je näher die Station der Küste liegt und je weniger also die innere Reibung der Erdmassen die verschiedenen Effekte der zahlreichen Wellenherde zu einer regelmäßigen Wellenbewegung ausgleicht. Das zeigen die Registrierungen in Samoa im vollsten Masse.

Dadurch, daß von verschiedenen Richtungen seismische Brandungswellen an einer Station eintreffen können, mag es wohl zu erklären sein, daß man fast niemals eine bestimmte Schwingungsrichtung beobachtet hat. Jedoch sind in den Registrierungen des Samoa - Observatoriums einige Fälle vorgekommen, wo von einem Sturmzentrum, das sich genau westlich Samoa befand, Wellen aus­gingen, welche in der E-W-Komponente registriert sind, während diese Wellen in der N-S-Kompenente fast vollständig fehlen (16.19. März 1906).

Andere durch Meereswellen erzeugte Bodenschwankungen.

Die Brandungsbewegnngen sind jedoch nicht die einzigen, durch Meeres­wellen erzeugte Bodenschwankung. Unter recht eigentümlichen Umständen, welche an dem Charakter der Erscheinung gar keinen Zweifel lassen, zeigen sich in Apia zu ganz bestimmten Zeiten Wellen von 1 bis 3 Minuten Periode und bis zu 0.05 Bogensekunden Neigung. (S. Figur 1, die beiden letzten Reihen.) Sie erscheinen nur an den Tagen um Vollmond oder Neumond, bei Sonnenauf-