DIE BRANDUNGSBEWEGUNGEN DES ERDBODETS UND EIN VERSUCH IHRER VERWENDUNG. 9
Infolge des starken Einflusses der lokalen Küstenverkältnisse ist es nickt möglick die vorkandenen Kräfte exakt aus den Wellendimensionen zu kerecknen. Messungen mit „Wellendynamometern“ kaken gezeigt, daß der Druck der Wellen innerkalb der Brandung doppelt so groß ist wie außerkalb, daß er ferner in den stiirmiscken Wintermonaten dreimal stärker als in den rußigeren Sommermonaten ist. Als Maximaldruck der Weilen ist 30000 kg auf 1 qm Fläcke gemessen worden.
Die Natur der Branduugskewegungen.
Es ist nickt möglick diesen verworrenen Erdbodensckwankungen, welcke durck den Wogenprall an einer ungleickmäßigen Küste entsteken, eine matke- matisck exakte Form zu verleiken. Auck wenn man den mittleren Druck der Brandungswogen auf die Küste messen würde, könnte man daraus nickt die Wirkungen an einem entfernten Punkte berecknen.
Es soll jedock im Folgenden ein Versuck gemackt werden, unter besonderen Annahmen die Größenordnung der Bodensckwankungen an der Küste selbst zu schätzen:
G. H. Darwin hat in seiner schon genannten Abhandlung*) den Fall behandelt, daß ein periodischer Druck in einer Linie auf eine elastische Oberfläche ausgeübt wird. Er berechnet die vertikalen Bewegungen eines Fläckenelementes, wenn parallele und äquidistante Druckwellen von Sinusform über diese Fläcke dahinziehen.
Diese Untersuchung kann auch, wie Darwin selbst zeigt, Anwendung auf den Fall finden, daß nur eine einzige solcher Druckwellen vorhanden ist, und giebt Näherungswerte auch dann, wenn die Druckänderung nickt genau nach dem Sinus erfolgt.
Will man diese Überlegungen, welche ursprünglich für statische Vorgänge gemackt sind, anwenden für den Fall einer durck periodischen Druck in Schwingungen versetzten elastischen Fläcke, so mag das gewiß Bedenken erregen. Es ist aber dock anzunekmen, daß die entstehenden Schwingungen die Größenordnung der Bewegungen haben werden, welcke durck statische Belastung mit dem entsprechenden Druck kervorgerufen werden.
Unter dieser ausdrücklichen Anerkennung der Ungenauigkeit sollen die Brandungsvorgänge als durck periodische Druckwellen von Sinusform verursacht aufgefaßt werden.
Zwar hat der Druck an der Brandungslinie keinen sinusförmigen Verlauf, dock könnte man ihn als durch wenige übereinander gelagerte Sinuswellen erzeugt auffassen. Das Wasser der brandenden Welle stürzt ja nicht in unendlich kurzer Zeit herab, sondern der ganze Prozeß erstreckt sich immerhin auf 1 bis 2 Sekunden, also einen beträchtlichen Teil der ganzen Wellenperiode. In der Elastizitätslehre wird ferner der Satz abgeleitet, daß eine plötzliche Belastung einer
1) G. H. Darwin: a. a. 0. S. 409.
Abhandlungen d. K. Ges. d. Wiss. zu Gotüngen. Math.-phys. Kl. N. F. Band 7,*.
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