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FRANZ LINKE,
und vergehen jede für sich, ohne daß Zusammengehörigkeit und Gesetzmäßigkeit deutlich ersichtbar ist.
Die hauptsächlichen Bezeichnungen sind „Mikroseismische Störung“ oder „Pendelunruhe“, auch wohl „Pulsatorische Oscillationen“. In der Englischen Literatur findet sich der Name „earthtremors“, oder „earthpulsations“. In den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika hat man mit Rücksicht auf den einen Erklärungsversuch die Bezeichnung „aircurrents“ gewählt.
In den Erdbebenberichten des Samoa-Observatoriums habe ich den Ausdruck „Brandungsbewegungen“ gebraucht und ich glaube im folgenden den Beweis liefern zu können, daß wirklich die Meereswellen die Ursache der Erscheinung sind.
Diese Hypothese ist seit einigen Jahren aufgetaueht. Sie ist aber bisher von der Mehrzahl der Seismologen nicht anerkannt und ein Beweis ist auch noch nicht erbracht worden.
Bisherige Erklärungsversuche.
Die italienischen Naturforscher Bertelli 1 ) und de Rossi haben die Brandungsbewegungen des Erdbodens zuerst untersucht. Sie kamen zu der Ansicht, daß man es mit wirklichen seismischen Erscheinungen zu tun habe. Sie fanden schon die oft bestätigten Zusammenhänge zwischen den Änderungen des Luftdrucks und den Angaben ihrer „Tromoseismometer“. Die Luftdruckunterschiede — glaubten sie — lösen Spannungen aus, welche das Erzittern der Erde hervorrufen.
Während R. Hoernes 2 ) die Erscheinung ganz in die Meteorologie verweist, läßt S. Günther 3 ) die rein seismische Erklärung noch gelten, wenn er schreibt: „Eine Neigung der obersten Lagen in einer steten Unruhe zu verharren, würde wahrscheinlich auch dann vorhanden sein, wenn der Erdball von keiner Atmosphäre umschlossen wäre, doch kombinieren sich zweifellos die eigenen Bewegungen dieser letzteren mit den spontanen Bodenschwingungen derart, daß eine sehr verwickelte Gesamtbewegung sich herausbildet. Ob direkte oder indirekte Folgen der Verschiedenheit des Luftdrucks hierbei die Hauptrolle spielen, d. h. ob bloß der Wind Anstöße erteilt oder die abwechselnde Be- und Entlastung des Bodens das Maßgebende ist, kann erst . . . von künftigen Generationen zur Entscheidung gebracht werden. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen raschen Luftdruckverminderungen und lebhafter Oscillation des Bodens scheint aber in jedem Falle zugestanden werden zu müssen“.
1) Bertelli, Memoria della realta dei moti microsismici etc. Atti dell’ Akad. Pont, de nuovi Lincei 1875. Ders., Compt. Rend. 102, S 1835 ff.
2) R. Hoernes, Erdbebenkunde (Vorrede). Leipzig 1893.
3) S. Günther, Luftdruekschw. in ihrem Einflüsse auf die festen und flüssigen Bestandt. d. Erdoberfl. Beitr. z. Geoph. 2.