6. Kartoffeln.
Düngungsversuche zu Kartoffeln sind im Bezirk Wilhelms« tal unter Leitung von Dr. Eichinger« Amani angestellt, der darüber folgendes berichtet:
Westusambara versorgt einen großen Teil der in der Steppe gelegenen Pflanzungen und die Stadt Tanga mit frischen Kar« toffeln. Die Kartoffel wird schon seit langem im Gebirge ge« baut. Ihr Anbau ist nunmehr auch von den dortigen Einge« borenen aufgenommen worden. Sowohl die angesiedelten Wanyamwezi als auch die eingesessenen Washambaa pflanzen sie mit Erfolg an. Ihre Einführung war fast ein Bedürfnis gewesen, da die Eingeborenen in den höheren Lagen die üblichen Knollen« flüchte (Maniok, Yams usw.) nicht mehr bauen können und wegen der geringen Wärme selbst Mais nicht immer zur Reife kommt. Die Neger essen die Knollen selbst oder geben die größeren zum Weiterverkauf an die Europäer ab. Interessant ist noch die Beobachtung, daß die Leute ihre Kartoffelfelder fast immer gut umhacken und durchhacken, was sie bei ihren anderen Kulturen niemals tun.
Leider sind die Erträge an Knollen nicht immer befriedigend. Einesteils ist manchmal der Ansatz nicht genügend, hingegen der Krautwuchs zu stark, andernteils sind der Ansatz gut, die Knollen sehr zahlreich, jedoch äußerst klein. Die Ernte ist dann sehr schwierig und kaum lohnend. Dazu kommt noch, daß die in der Erde bleibenden kleinsten Knollen wieder massenhaft ausschlagen und durch keine Bodenbearbeitung gänzlich unterdrückt werden können. Die Kartoffel wird dann zum lästigen Unkraut, nicht zum wenigsten auf Kartoffeläckern selbst, wo gesteckte und verwilderte Kartoffeln in wildem Durcheinander aufgehen und dann das Erkennen der Reihen und ihr Behacken äußerst er« schwert ist.
Über die Ursachen, die bei den geringen Erträgen der Kar« toffeln eine Rolle spielen, gibt es verschiedene Meinungen. Man macht verantwortlich: Sorte, Boden und Witterung bzw. das Klima im allgemeinen. Wahrscheinlich wirken alle diese Faktoren gleichzeitig. Am häufigsten findet sich in Westusam« bara eine gelblichweiße längliche Kartoffel, die der „Magnum bonum“ sehr ähnlich sieht. Sie wird von Europäern wie Negern bislang am meisten gebaut. Mitunter bringt sie sehr gute Er«
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Versuche zu Kartoffeln