Abschnitt X.
Fauna.
a) Allgemeines. Korallenriffe, Palolo.
Was das Tierleben auf und vor den Riffen betrifft, so ist ausser dein, was schon aus dem Abschnitt IV (Fischerei) hervorgeht, und aus den nachfolgenden Aufzählungen der wichtigsten Tierformen, nichts mehr Besonderes zu berichten. Diese Aufzählungen gründen sich, wie bei den Pflanzen, auf die Eingeborenennamen, und es war mein Bestreben, aller jener Tiere habhaft zu werden, welche die Samoaner unterscheiden und mit Namen belegen, also biologisch oder ökonomisch von Interesse sind. Da im Gegensatz zu den Pflanzen die Vorarbeiten namentlich betreffs der Meerestiere fast völlig fehlten, oder höchstens auf allgemeine Andeutungen sicli erstreckten, so war die Erreichung einer auch nur annähernden Vollständigkeit bei der kurzen mir zur Verfügung stehenden Zeit ausgeschlossen. Doch wird das Vorhandene wohl genügen, eine Basis für weitere Arbeiten in dieser Richtung zu schaffen.
Alle meine Sammlungen befinden sich im K. Naturalienkabinett zu Stuttgart unter der Obhut des Herrn Ob er Studienrates Prof. Dr. Lampert, welcher persönlich sich vor allem die Bestimmung der Holothurien und Sipunculiden angelegen sein liess. Herr Dr. Büchner daselbst bestimmte die Mollusken und die Fische; nur ungefähr ein Dutzend letzterer wurden, da sie schwieriger zu erkennen waren, an Prof. Steindachner in Wien geschickt. Ein Verzeichnis der von Thilenius auf Samoa gesammelten Fische erhielt ich von Prof. Hilgendorf in Berlin. Auch habe icli von demselben Aufschlüsse über einige Fische, namentlich nach Zeichnungen, erhalten. Die Sammlung der Vögel hat Herr Kerz in Stuttgart durchgesehen, ohne dass sich etwas Neues ergeben hätte. Nur eine schöne Serie von Jugendkleidern des Ptilojpus Perousii <? und £ verdient hier Erwähnung, alle von einem hohen Firns -Baum (Bild 139), den Prof. Thilenius entdeckte. Sowohl er wie ich haben uns mit der Avi-Fauna viel Mühe gemacht, ohne etwas wesentlich Neues zu finden, so dass Samoa in dieser Beziehung erschöpft zu sein scheint. Die Krebse endlich wurden in dankenswerter Weise von Dr. Doflein in München bearbeitet, vor allem die noch so wenig von Samoa bekannten Dekapoden. Von den Arthrostaken befindet sich im übrigen schon eine ziemlich ansehnliche Zahl im Journal des Museum Godeffroy 1 für Samoa beschrieben und von En tomost raken, sowie der Komposition des Plankton überhaupt habe ich des längeren schon in meinem Buche „Über den Bau der Korallenriffe“ etc. 2 gesprochen, während ich über das des Süsswassers des Sees Lanuto'o im Zoologischen Anzeiger 1879 eine kurze Notiz „Zur Mikrofauna Samoas“ veröffentlicht habe.
Was die niedere Landfauna betrifft, so habe ich unterlassen, mich näher mit ihr zu beschäftigen, wenn ich auch alles sammelte, was mir zufällig in die Hände geriet. Ist docli auch hier für die Ethnographie nur ein grosser Käfer wichtig, dessen Larve gegessen wird, der afato, den Prof. Kolbe in Berlin als den Olethrms scahripennis Thoms. zu bestimmen die Güte hatte. Im übrigen ist gerade die Landfauna, vornehmlich die der Insekten, nicht genügend bekannt, trotz der Sammlungen durch die Expeditionen von d’Urville und Wilkes, durch die Missionare Po well, Whitmce, Stair etc. und durch Graeffe. Wo ferner alle die einzelnen Tiere, ausser im Journal Museum Godeffroy, in deutschen, englischen, amerikanischen und französischen Fachzeitschriften beschrieben
1 Siehe Heft IV No. 3.
2 Kiel, Lipsius & Tischer, 1897.