Abschnitt IX.
Flora.
a) Geologisches und Meteorologisches.
Der Charakter der samoanischen Flora wird durch den Boden und das Klima bedingt. Während auf den nördlich von Samoa gelegenen dachen Atollen der sterile Kalkboden nur wenigen Pflanzen ein Fortkommen ermöglicht, entfaltet das humusreiche vulkanische Bergland eine erstaunliche Vegetation. Zwar trifft man an der niederen Küste der hohen Inseln, wie z. B. auf Mauu'a, eine in hohem Grade an die Kalkinseln gemahnende Flora, indem hier neben den Kokospalmen und dem Pontianus vornehmlich Scaevöla Koenigii, Fragraea Berteriana, Morintia citrifolia, Cassytha fdiformis, Tr in m fett in procumbens, Wedelia biflora, Uraena lobata und die Sida- Arten vorwalten. Aber sobald man sich einige hundert Schritte inlands hegiebt, so ändert sich das meist rasch; hohe Waldbäume treten auf, Farne, Moose, Schlinggewächse zaubern alsbald das Bild hervor, das die Phantasie unserer Kindheit sicli als Urwald erträumte. (Siehe Taf. II.) Dies erklärt sich einfach, wenn man bedenkt, dass die Küste, der Strand, sich auf weite Strecken hin an die breiten Strandriffe anlelmt, und dass diese Strandebenen stellenweise ein Produkt dieser sind, also aus Kalksand bestehen, wie ich in meinem Buch über die Korallenriffe Samoas ausgeführt habe. Daher auch die grossen Brackwasserlaguneu und Flussästuare, wie sie zu Apia und besonders um Saluafata, Safata und Falelatai in ausgeprägter Weise vorhanden sind. Nur wo die Küste höher gelegen und vulkanisch ist, vom niedrigen korallenriffbeschützten Basaltstrand an bis hinauf zur rifffreien Steilküste, ändert sich das Bild etwas, indem sich den mehr oder weniger vorhandenen schon genannten Pflanzen die Barringtonien, Tonrnefortia , Thespcsiu und die Hibiscus- Arten in üppiger Weise hinzugesellen neben zahlreichen anderen Phanerogamen. Je mehr man aber inlands wandert, desto mehr verschwinden die Küstenvertreter, um den Beherrschern des AValdes Platz zu machen. Vor allem in den Schluchten, in welche sich wild schäumende Bäche eingegraben haben, von Fels- zu Felsblock tanzend, begegnet man einem andern Reich; hohe Farnbäume mit ihren fein- ciselierten Wedeln überdachen liier das morsche Unterholz, in welchem Zingiberaceen, Balsaminen, wilde Bananen, Bambusse u. s. w. in seltener Üppigkeit wuchern. Von den alles übertürmenden, mit Orchideen, Farnen und Moosen übergossenen Baumriesen herab hängt aber das Schlinggewächs, der „hängende Wald“, in senkrechten Linien arbeitend, wo bei uns die Ausladung der unbeschwerten Zweige in die Horizontale sich hervordrängt. Und ein aromatischer Moderduft hält hier die von der Üppigkeit der Natur trunken gemachten Sinne gefangen. Nichts trübt die Ruhe des Wandernden in dem kühlenden Schatten dieser Wälder; keine giftigen Schlangen, keine wilden Tiere, gefährden hier seine Müsse, und wenn ihm auch die Moskitos lästig werden können, so braucht er wenigstens kein Sumpffieber durch sie zu fürchten
Welcher Art ist nun der Boden, dem so prächtiges Wachstum entspriesst? Schon oben p. 112 und 205 wurde betont, dass es vor allem basische Laven sind, aus denen sich die ganze
1 Unangenehm kann bei starkem liegen im Busch nur das Auftreten unzähliger kleiner Baumblutcgcl werden, die am ganzen Körper herumkriechen. Die Samoaner behaupten sogar, dass sie in die Blase kröchen und Blasenkrankheiten erzeugten (siehe X. g. tavaü). Reinecke gedenkt derselben auch in einer Abhandlung „Samoa, eine botanische Skizze“. Ber. der schles. Ges. für vaterl. Kultur 1895 (op. 2), die ein «heraus anmutiges und lehrreiches Bild von den Wäldern giebt.