trotz des guten Willens auf der andern Seite \ Nur wenige der fremden Melodien liegen ihnen passend; meistens greifen sie etwas auf und formen es nach ihrem Sinne um. Zahlreiche Beispiele werden dies unten in Kapitel d zeigen.
b) Spiel und Sport.
Das Spielen 1 2 ist, wie bei dein kindlichen Sinn der Eingeborenen nicht anders zu erwarten, sehr beliebt. Man kann kaum ein Dorf passieren, ohne dass man einige Jungen ein Spiel treiben sähe, und die meisten ihrer Spiele sind denen unserer Knaben gleich oder verwandt, Hier spielen einige Verstecken oder Soldat, dort spielen sie Fangen oder Blindekuh, lassen kleine Boote aus Kokosnusshülsen schwimmen, denen sie ein Segel aus einem ti-Blatt geben (va'ava'alautl Pratt), dort spielen einige „Pferde“ (fulifulimauga Pratt), lassen Steine auf dem Wasser springen (tipa Pratt) u. s. w. Pratt giebt zahlreiche Worte an, die sich auf solche und ähnliche Spiele beziehen, als lia'i memea, 'otopua- pua, poi (auf Schlammflächen), male, matua, neue, piapiaö, aitia, tämoliga, tu'ufa'alele (Hände loslassen, dass man hinfällt), lapega (mit den Händen).
Ob die Fadenspiele auf Samoa Vorkommen, über welche neuerdings W. E. Roth im North Queensland Ethnogr. Bull. 1902 eine wegen ihrer wahrscheinlichen Beziehungen zur Ornamentik so hochinteressante Arbeit lieferte, wurde mir nicht bekannt (vergl. Tliil., Globus 1903, p. 20).
Es giebt aber auch Spiele, die nicht lokal erfunden, sondern die allgemein polynesisch sind, wie z. B. das Schwingen an einem langen Tau (taupega), das an den Palmkronen befestigt ist, welches ich in Onoatoa auf den Gilbertinseln bei einem Feste sah, das lafogätupe-Spiel u. S: w., von denen noch die Rede sein wird.
Allgemeinere Spiele, die man auf dem Dorfplatz spielt, waren das Ballspiel mit wilden Orangen, fuaga genannt, oft von mehreren Personen gespielt, oft einer allein jonglierend, oder sie andern über den Rücken zuwerfend, von Stair p. 138 te'auga genannt (Pratt te'aga). Wilkes II. p. 136 schildert auch ein Spiel tuaefua (wohl tia'ifua) als Jonglieren mit Orangen, und tuimuli nennt er, wenn eine Orange an einem langen Faden aufgehängt und dann im Kreise herumgeworfen wird, wobei die Teilnehmer sie mit spitzen Stäbchen anzuspiessen suchen. Von den öffentlichen gemeinsamen Spielen auf dem Dorfplatz ist aber das Stockwurfspiel, ta'agati'a oder tägati'a genannt, das beliebteste. Die Knaben schneiden sich einfach ein paar weidenrutenähnliche Stecken, mit denen sie um die Wette spielen. Die Erwachsenen aber bauen zwei sich gegenüberliegende sprungbrettähnliche Erdhügel, auf welche der Stock geworfen, dem gegenüberliegenden Ziel entgegenfliegt. Ich sah solche päga oder pa'aga genannten Erdhügel z. B. auf dem malae von Fai'a'ai auf Savai'i, wo das Spiel sehr ausgedehnt betrieben wird. Der Sinn ist, dass eine Partei ihre Stäbe wirft, dann kommt die zweite Partei daran. Liegt deren weitester mitten zwischen den andern, so sind alle weiter vorausliegenden Stäbe der ersten Partei gute Punkte; alle die hinter diesem liegenden aber werden weggenommen. Überholen aber mehrere der zweiten Partei den vordersten der ersten Partei, so sind diese die Punkte derselben. Dann kommt wieder die erste daran und sucht diese noch zu überbieten.
'O ta'agati'a 3 .
'A fa'apea 'o le a sauni ni ta'agati'a, e muamua ona su'e mai 'o ti'a; 'o la'au nei e fai a'i ti’a, 'o le fu'afu'a, 'o le fanua- mamala,-'o le toi, 'o le fauui, 'o le polovao. 'A fa'apea 'ua o'o i le aso, 'o le a tätä ai, ona alu atu ai lea 'o le fa'auluulu a le tasi
Das Stockwurfspiel.
AVenn man beschliesst, ein Stockwerfen vorzubereiten, dann sucht man zuerst Stöcke 4 ; die Bäume, von denen man die Stöcke macht, sind Eleinhofia, Ilomal- anthus , Alphitonia, Trema, Solanum. AVenn dann der Tag herankommt, da man werfen will, dann geht der Ausrufer der einen Partei zu dem Ausrufer der andern
1 Nur um dies zu illustrieren, erwähne ich, dass ich z. B. das Gigerllied „Gigerl sein, das ist fein“ mit samoanischcm Text hei einer Theatervorstellung des „Bussard“ im Jahre 1894 zu Apia mit einem andern Herrn zusammen vortrug. Das Lied machte alshald die Bunde auf den Inseln, und 1896 sang es auch die Samoatruppe zu Berlin hei einem ihrer Tänze täglich; aber niemand wird wohl auch nur die Ähnlichkeit einer Melodie herausgehört haben. Ebenso ging es mit andern Liedern.
2 saunoaga, mauaga; ein Spielfelder, der das Spiel unterbricht fatupona P. Vcrgl. das Kapitel bei Andree p. 86.
3 Pratt und Stuebel tägati'a; entweder täga von AVerfen, schlagen oder ta'aga ein „Haufen Stücke“, wie ta'aga toloa eine Schnur Enten u. s. w. heisst.
4 Die Stöcke sind ungefähr 1 m lang und 1 cm dick, leicht biegsam, doch hat man auch kürzere (tapu'u Pratt). Man fasst sie so an, dass man den Zeigefinger vor das Ende legt; dann wirft man sie flach auf den Boden (tä), hauptsächlich aber mit dem hinteren Ende (pai'u Pratt). AATntere Worte nach Pratt sind suni den Stock mit Öl polieren, damit er nicht langsam dahinkriecht wie eine Eidechse solomo'o; tagau le ti'a brechen beim Spiel, taniu ein schlechter Stock, 'ela fehlen.