Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Ethnographie
Entstehung
Seite
283
Einzelbild herunterladen
 

283

einen mein violetten Ton giebt, Zahlreiche andere Stoffe werden noch erwähnt, wie z. B. lega, um was es sich auch bei K o t z e b u e handeln dürfte, wenn es nicht eine gebleichte Haarlocke war, ferner rote Erde ('eie x ), und dann vor allem Harze, die dazu dienen, die Haare daran zu verhindern, dass sie sich legen (moe, v. Btilow). Vor allem dient hierzu das Harz des Brotfruchtbaums, pulu, von dem schon beim Bootsbau die Rede war, und der überaus wohlriechende Balsam des ma'ali-Baumes, das v. Btilow als mafoa erwähnt, und mit dem man auch die Leichname hoher Häuptlinge neben dem lega einzureiben pflegt.

Stair p. 121 giebt an, dass man hauptsächlich sieben verschiedene Arten des Haartragens bei den Mädchen und Frauen unterschied, je nach Form und Behandlung oder der Art des Stirnbandes, das dazu getragen wurde. Von dem Papilottendrehen auf Tau, dem fa'amigimigi, habe ich schon oben p. 37 gesprochen, wodurch man eine Kräuselung (vi'o Pratt) erreicht, wie die gebleichten Haare auf Bild 16 zeigen, oder die fitiähnliche Haarform auf Bild 8, wobei natürlich das oben bei der An­thropologie Ausgeführte in Rechnung gezogen werden muss. Heute lässt man die Haare den jungen Mädchen bis zur Reife lang wachsen, wenn man ihnen nicht aus Strafe oder um sie vor allzu frühen Liebesspielen zu bewahren (v. Btilow), den Kopf rasiert (selevalevale Pratt). Dies letztere ist da­gegen die Regel bei den Knaben, die oft ein wunderliches Aussehen bekommen, wenn ihnen nur eine Locke, sope 1 2 , oder eine Raupe stehen gelassen wurde, wie oben erwähnt. Das Rasieren selbst, taff, geschah nun ehemals mit Haifischzähnen (faiulu) oder durch Abkneifen mittels zweier scharfen Muscheln, vorzüglich der Mesodesma- Arten, die denn auch tipisele ava, Bartscherer, genannt werden, oder man brannte sie mit glühenden Hölzern 3 u. s. w. ab. Denn im allgemeinen war es nicht Sitte, Bärte zu tragen, wenn auch die Anlage dazu im Mannesalter durchaus vorhanden ist, wie ich schon oben betont habe.

Auch in den Achselhöhlen entfernte man die Haare, vornehmlich aus Schönheitsrücksichten oder, wie v. Bülow meint, des Schweissgeruchs halber. Wer die samoanischen Ballerinen mit den unseren vergleicht, wird nur lebhaft wünschen, dass letztere ihre braunen Schwestern zum Beispiel nehmen möchten. Da das Rasieren hier schwierig ist, drückt man einen Ballen Harz in die Höhlung, nach dessen Erhärtung man die Haare mit lierausreisst (v. Biilow). Dass auch die Schamhaare bei den Mädchen rasiert wurden, ist schon erwähnt. Das Auskämmen des Haares geschah entweder kurzweg mit dem natürlichen Kamm der Finger (seselu Pratt) oder mit den schon oben erwähnten Kämmen aus Kokosblattrippen (selu tuaniu, Bild 115). Die Holzkämme (sein la'au) dienten nur als Zierde der Haare, wie auch die langen Kokosrippenkämme, die selu Toga genannt werden (Bild 109).

b) Schmuckgegenstände und Art der Bekleidung.

Es giebt keinen schöneren Schmuck als den mit Blüten und Blättern, wie er auf den Südsee- Inseln wohl am entwickeltsten ist. Um so schmerzlicher berührt es, wenn man schon bei Wilkes II. p. 141 liest: but the use of flowers as Ornaments has been interdicted by the missionary teachers. Glücklicherweise hat dies auf Samoa ebensowenig Erfolg gehabt wie das Verbot der Tatauierung; nur die alten Haartrachten sind endgültig verschwunden. Sieht man doch fast keinen Jüngling und kein Mädchen, das nicht eine Blume oder wenigstens ein Blättchen in den Haaren oder hinter dem Ohr trüge, ein sei. Ja, Turner p. 122 giebt an, dass sie manchmal das Ohr durchbohren, um Blumen hineinstecken zu können, ohne dass es indessen je zu der grotesken melanesischen Ohrläppchenerweite­rung gekommen wäre, wie schon oben p. 45 betont. Besonders gerne ziehen sie auch die äussere Haut der roten /L/uscws-Blume in Pfennigstückgrösse mit dem Nagel ab und kleben die Plättchen auf Wange oder Stirn. Die Herbeischaffung dieses vergänglichen Schmuckes für das tägliche Leben ist eine liebliche Pflicht der Mädchen und Frauen. Schon früh am Morgen sieht man einige von ihnen in den Wald ziehen, namentlich wenn Feste zu gewärtigen sind, um Material für Stirnbänder (pale), für Hals­ketten ('ula) und Lendenkleider (titi) herbeizuschaffen. Zu ersteren dienen vornehmlich die lieblich duftenden weissen pua-Blumen und die fragranteren Blüten des moso'oi, der Gananga odorata (Bd. I p. 17), bei uns als Ylang-Ylang wohl bekannt. Dieser Baum steht in den Niederungen und die grün­gelben Blüten mit ihren ca. 5 cm langen grasähnlichen Blumenblättern sitzen in Büscheln um die Zweige

1 omea Thon ins Haar schmieren, um es steif zu machen (Pratt).

2 Auch fuafuati; lockig pi'i Pratt.

3 Vornehmlich scheint hierzu die Rinde von Alphitonia cxcelsa (toi) gedient zu haben (Stair); aber auch Rinden­stofffetzen, Kokoshüllen, Pandanus -Zunder sind gut hierfür. Heute dienen hierzu Glasscherben und Easiermesser.