Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Ethnographie
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erwähnt, und was noch an Schmuckanfertigung in ihren Händen liegt, wird noch bei der Besprechung des Schmucks genannt werden. Die Hauptarbeiten der Männer aber, der Haus- und Bootbau, wird in den folgenden zwei Kapiteln abgehandelt werden.

Endlich sind hier zum Schluss noch die Holztrommeln (fa'aalii) zu nennen, deren Form Fig. 19 zeigt. Die kleineren werden mit zwei Klöppeln geschlagen (talua oder saunoa Pratt), vor allem im Krieg, um den Feind zu warnen und die Streiter zu rufen, wenn Gefahr im Verzug war. Heute rufen sie an Stelle der Glocken die Gläubigen zur Kirche, und so liegt z. B. eine bei der katholischen Kirche in Vaiusu, welche Mannslänge hat und wenn ich mich recht erinnere gestossen wurde \ wobei sie einen dumpfen Ton von sich gab. Diejenigen, welche man in den Krieg mitnahm, waren meist 23 Fuss lang und aus schwerem, rotem Iiomalanthus-Holz (fanuamamala) gefertigt, während die kleinen, meist nur einen Fuss langen schlanken, aus leichtem Thespesia -Holz (milo) gemacht wurden; sie gaben einen hellen, gellenden Ton von sich. Man nennt die grösseren Trommeln nafa, die kleineren logo, und beide gemeinsam auch fa'aali'i, weil ihr Gebrauch nur den Häuptlingen Vorbehalten war. Stair p. 135 giebt sogar an, dass die Benützung der nafa-Trommel nur sieben Familien erlaubt war, nämlich Malietoa, Ama, Ale, Asiolagi,

Mata'afa, Lilomaiava und Sapeä; es sind diese Namen aber zumeist nur Titel, und dies erklärt sich leicht, da den Titelhäuptlingen vornehmlich das Eeclit zustand, die Krieger zusammenzurufen. Dass dabei die verschiedenen Häuptlinge verschieden abgestimmte gehabt haben sollen, wie es im Berliner Museum nach Cunningham heisst, kann nur so gemeint sein, dass viele den Ton ihrer Trommel von andern zu unterscheiden vermochten.

Endlich erwähnt noch Stair an selber Stelle eine kleine Trommel, pulotu oder fa'aali'i- laiti genannt, deren Höhlung durch ein Stück leichtes Holz lose ausgefüllt war, welches von den Häuptlingen zur Begleitung der Gesänge geschlagen wurde. Ich werde auf diese und andere Musik­instrumente, wie z. B. der Bambusgeräte, bei der Besprechung der Tanzmusik zurückkommen. Hier möchte ich nur noch erwähnen, dass alle diese Lärminstrumente ganz ähnlich, wie z. B. das Bild 135 zeigt, auch auf Tonga und Fidji vorkamen, wie Cook und Mariner schon berichteten. Man darf annehmen, dass vieles in dieser Hinsicht von Fidji entlehnt ist, worauf ich noch beim Krieg zu sprechen kommen werde.

Über die Fliegenwedel siehe Bild 74; ferner das Bild 35 p. 99 und das p. 181 Gesagte.

lüg. 19. Holztrommel (fa'aali'i). Grösse 5070 cm.

c) Der Hausbau.

Es gab einst eine Zeit, da die Samoaner ihrer Sage nach noch keine Hauser hatten und unter dem freien Himmel wohnten 1 2 . Turner p. 152 erzählt, dass die Samoaner den Hausbau der Genialität eines Häuptlings verdanken, welcher zwei Söhne hatte, deren jedem er aus Liebe ein Haus baute. Andererseits habe ich schon in Kapitel a betont, dass das Handwerk der Zimmerleute als aus dem Himmel stammend angenommen wird. Trotzdem deutet aber nichts darauf hin, dass vor alters auf Samoa Hausopfer im Gebrauch gewesen wären, wie es z. B. auf Fiti der Fall war, wo man einige Menschen lebend um den Hauspfosten mit aufwärts gerichteten Händen eingrub (Hood p. 140). Graeffe op. 5 p. 73 giebt zwar an, dass zu Apia beim Ausgraben des Mittelpfostens eines alten Häuptlingshauses Menschenschädel gefunden worden seien. Da man aber die Köpfe der gefallenen Feinde, die nicht von Verwandten abgeholt wurden, auf dem malae vergrub, so wäre es immerhin möglich, dass in einem Falle von einem Grosshäuptlinge solch eine Gelegenheit zur Stärkung seines Ansehens benützt worden wäre, wenn anders das Zusammentreffen nicht Zufall ist. Jedenfalls wurde bis jetzt nichts näheres darüber bekannt und ist auch kaum anzunehmen, wenn auch solche Gebräuche von Asien her eingepflanzt sein könnten 3 .

1 Vergl. Fritz Gräbner, Holztrommeln des Ramudistriktes auf Neu-Guinea. Globus 1902. p. 299.

2 v. Bülow glaubt dies auch aus dem Namen des Baumes maota für Häuptlingshaus sohliessen zu dürfen. Doch darf man hier wohl annehmen, dass das hohe Häuptlingshaus mit dem Baumgewölbe verglichen werden soll.

3 Siehe M. Winternitz, Bauopfer bei den Indern. Mitt. Anthrop. Ges. Wien 1887.