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Abschnitt VI.
Das Handwerk der Männer.
a) Das samoanische Handwerk und das Handwerkszeug der Männer.
Das samoanische Handwerk ging wie die Kochkunst und die Fischerei aus dem Himmel hervor. Besonders die ersten Haus- und Bootbauer wurden von Tagaloa auf die Erde gesandt, um den Menschen ihre Kunst zu lehren. So heisst es im ersten Manu'a-Gesang (Bd. I p. 399): 'A 'o ai 'ea na lua'i 'oa? Na lua'i va'a Tuimanu'a. „Wer hatte denn die ersten Werkzeuge? Das erste Schiff hatte der Tuimanu'a“, und zwar gebunden vom Zimmermann, den Tagaloa ausgesandt hatte. Ähnlich heisst es hei S tue bei p. 63, dass eine Tochter des Tagaloa mit Namen Mat ait eite sich Bootbauer aus dein Himmel kommen liess, um ein Schiff für ihren Gatten auf Savai'i zu erhalten; sie hatten noch keine Äxte, sondern nagten das Holz mit den Zähnen. Auch der Bau des Schiffes des Lata (Stuebel p. 148) ging ähnlich mystisch vor sich.
Es ist bezeichnend, dass Tagaloa hei den Tonganern als der Gott der Künste und. des Handwerks galt, der auch mittels des Fischhakens die Tonga- Inseln emporgehoben hatte (Mariner Kapitel XVIII. p. 180 u. 184), dass aber neben ihm noch höhere Götter waren.
Die Handwerkszeuge selbst sind nur von geringer Art und beschränkt, wie bei einem Naturvolk, das bei der Entdeckung noch in der Steinzeit lebte, nicht anders zu erwarten. Sie setzten sich im wesentlichen zusammen aus schneidenden Muscheln und Steinen, aus dem Drillbohrer und aus den Steinäxten.
Dazu gesellten sich als notwendigstes Utensil an Stelle der Nägel, der Bindfaden 'afa, von dessen Herstellung schon oben p. 181 die Rede war.
Denn alles wurde zusammengebunden, entweder auf freier Fläche, wie beim Haus, oder durch Löcher, wie beim Boot.
Zum Glätten des Holzes bedient man sich neben Schabmuscheln (neuerdings Glassplitter) auch der Feilen aus Hai- und Rochenhaut, zum Schneiden auch des Bambusmessers und der Muscheln.
Als Schneidemuschel dient vorzüglich die pipi (Asaphis), welche ihres gezähnten Randes halber auch sägend verwendet wird (v. Bülow op. 20 p. 4), ebenso 'asi (Area scapha Cli.), die fole Pinna-, die Venus- und Spondylus -Arten und natürlich auch die feste und starke Triäacna.
Der Drillbohrer vilipä 1 oder matävana ist von der bekannten, weit ausgebreiteten Form, wie er sich bei Turner (Nineteen years in Polynesia p. 274; siehe Fig. 13) und Edge-Partington Ser. I Taf. 77 abgebildet findet. Auch ich habe mit einem solchen von den Gilbertinseln viel gebohrt, und seine Vorzüge schätzen gelernt. Jetzt hat er natürlich meist eine eiserne Spitze, während ehedem
Fig. 13. Drillbohrer (vilipä).
1 Der „sich drehende pä“; vilipä heisst nach Pratt eine moderne Segelnadel als Spitze; matävana die Spitze der Stacheln des vana-Seeigels. vilipä ist aber zweifellos ein altes Wort, wie z. B. der Drillbohrer auf Hawaii hulapä „Der Tanzende pä“ heisst u. s. w.