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Bd. 2 (1903) Ethnographie
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Kreis in der 1IV 2 m tiefen Lagune abgeschlossen wird. Der ganze äussere Netzrand wird alsdann von Leuten in ununterbrochener Reihenfolge besetzt, die ihre Handnetze an den Rand des Kreisnetzes halten, entweder im Wasser stehend (Bild 67) oder wenn dieses zu tief ist vom Boote aus. Dann springen einige der Leute in den Netzkreis hinein und schlagen mit Stöcken ins Wasser, so dass die Meeräschen dadurch zu entfliehen suchen, dass sie übers Netz springen. Statt der Handnetze werden auch vielfach grosse dreieckige Netze verwendet, aus zwei Stäben bestehend, ähnlich wie beim seuga lupe, beim Taubenfang. Diese Netze heissen alagamea. Sie erreichen die Länge von 45 m, und ihre Bauart und Anwendung geht aus den Bildern 59, 66 und 67 deutlich hervor. Dank der sinn­reichen Vorrichtung mit dem beweglichen Querstab, welcher durch eine Gabel den längeren Stab ab­stützt (der Mann im Bilde 66 hält sie mit der linken Hand fest), ist das Netz leicht zusammenklappbar.

d) Angelfischerei.

Die samoanischen Fischhaken, kurzweg matau genannt, sind nicht so kunstvoll, wie die der umgebenden Inselgruppen. Die besten sind noch die für den Bonitofang, die paatu, bei denen der Körper, der Blänker, genannt, aus der Perlmutterschale tifa geschnitten ist, der darauf fischförmig zugeschliffen wird 1 . An diesen Blänker wird der eigentliche Haken (maga), aus der Schildkröten­schale (uga laumei) geschnitten, kunstvoll angebunden, und von dem Ausfall dieses Bundes 2 hängt nach Ansicht der Samoaner, wie oben in p. 168 ausgeführt, der Erfolg ab. Die grössten dieser Blänker erreichen höchstens Fingerlänge; meist sind sie viel kleiner. Diese und ähnliche Flieghaken nennt man auch paala, indem ala die Furche andeutet, die sie beim Wegziehen übers Wasser hinterlassen (siehe unten bei aloatu). Am unteren Ende des, an der Stelle, wo der Haken angebunden ist, werden dann noch einige weisse Flaumfedern, meist vom Tropikvogel, angebracht, um die Täuschung für die Fische vollständig zu machen 3 . Oft sitzen die Federn auch innen, die Spitze des Hakens etwas verdeckend, wie Fig. 10 zeigt, wo man die Bindung sieht. Die Leine (afo Pratt) besteht wie das Netz meist aus fausogä-Bast, wenigstens das Vor fach 4 , während der übrige Teil meist aus 'afa, geflochtener Kokosfaser, hergestellt wird. Es bedarf noch der Erwähnung, dass der maga-Haken keinen Widerhaken zu besitzen pflegt, obwohl dies in Polynesien ursprünglich vorkommt, wie die Haken Cooks von Hawaii beweisen. Dies hängt betreffs der Bonitoangel z. B. mit der Fangart zusammen, da der angehauene Fisch mit einem Schwung nach vorne geschleudert wird, so dass er von selbst ins Boot fällt. Aus diesem Grunde werden die Haken heute wie ehedem ohne Widerhaken dargestellt, ja eiserne Haken werden, weil für diesen Zweck unbrauchbar, geradezu zurückgewiesen. Überhaupt sind die Samoaner auch sonst mit ihren Fischwerkzeugen und Fangarten so zufrieden, dass sie bis jetzt aus guten Gründen dabei geblieben sind.

Auch aus anderem Material als der Perlmuttermuschel macht man die Blänker, wie z. B. aus der Schale der braungetupften Gonns-Sclmecke (matapoto), der nach Friedländer deshalb ulutoto heisst 5 6 . Pratt nennt z. B. auch einen dunkeln Haken gu, einen gelblichen sulu, einen andern Flieg­haken tio °. Dieselben sind oft recht klein und sitzen an langen Leinen, welche mittels langer Bambus­fischstöcke 7 geworfen werden, ähnlich wie man bei uns mit der Fliege die Forellen fangt. Dabei fehlt nicht der Fischkorb (ola) und der für Flieghaken (tautua Pratt). Oft kann man die Samoaner bis an die Hüften im Wasser der Lagune stehen sehen, oder draussen am Aussenriff in der Brandung, stundenlang, unermüdlich.

1 Nach v. Biilovv op. 20 p. 6 geschah das Ausschneiden ehemals so, dass erst Einritzungen mit einer pipi- Muschel gemacht wurden, worauf man dann die Schalen mit einem Stein zersprengt, ähnlich wie angeritztes Glas. Vergl. auch Hedley, The ethnology of Funafuti. Mem. of the Austral. Mus. III.

2 taufau das Festbinden lehren, fausaga das Befestigen, fausaga i'u, loto das Ende, die Mitte befestigen, fausala falsch binden Pratt.

3 pa'ala ulutolo, Haken mit Federn, Friedländer.

4afa tuaitiiti Fr. p. 13, meist mit Fischleim behandelt.

6 Nach v. Biilow dienen zu Blänkern auch aliao, patupatu, pala'au und faisua, sowie Deckel von alili und die puga-Korallen.

6 saana die ganze Zahl Flieghaken an einem Fischstock Pratt.

7 Eieine Fischstöcke nennt Pratt matila oder lavelave, kleine Leinen ta'ä, das Fischgerät der Knaben am Strande, tai'i le in der Sonne fischen.

A. Krämer, Die Samoa-Inseln.

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