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Bd. 2 (1903) Ethnographie
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Hochwasser in die Lagunen eilen (taisamuti Pratt). Es ist ja bekannt auf Samoa, dass besonders zur Zeit des Palolo im Oktober und November zahlreiche Schwärme junger Fische auftreten, wie z. B. 15, palai'a, nefu, palagi u. s. w. Dann ist die Lagune fischreich (mamo Pratt). Besonders ist es auch ein kleiner Fisch, welcher ziemlich zugleich mit dem Erscheinen des Palolo vom Meere in die Flüsse hinaufsteigt, nämlich der kleine igaga, der junge des Süsswasserfisches apofu.

Andererseits ist der Beginn der Passatzeit am besten für den Bonitofang, zumal wenn der Passat ruhig und sanft einsetzt, weil die Boote sonst auf der offenen See zu sehr gefährdet sind.

Im übrigen giebt es natürlich Fische das ganze Jahr hindurch; denn das Meer ist ebenso unerschöpflich wie das Land.

Bei grösseren Fischfängen werden die Fische in dem Dorfe, dein die Lagune gehört, verteilt. Ausgeweidete Fische an Land zu bringen (palumatuina Pratt), gilt als unstatthaft.

Zahlreiche Fangarten 1 gieht es natürlich, wie z. B. fa'amutu (Bd. I p. 214) und nach Pratt si'isi'i, so'a, tau'ulu, tautu, tagosumu, to'oto'oa, tu'uli, tupa, tuuoa etc. In den folgenden Kapiteln werden die wichtigsten und interessantesten Fischmethoden besprochen werden, ohne Gewähr der Vollständigkeit. Denn obwohl ich teils zu Riffstudien, teils zu Sammelzwecken mindestens wöchentlich zweimal eine Riffpartie machte und dabei an den verschiedensten Plätzen mich aufhielt, war mir der Zufall docli selten so günstig wie auf Taü heim Fang des atule. Immerhin kann icli doch auch über manches andere aus eigener Erfahrung berichten.

b) Die kleine Fischerei (figota 2 ).

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Verstanden ist darunter das Fische- und Kleinzeugsuchen mit dein Stock, das Einführen der Hand in Felsenlöcher, das Vergiften, das Speeren, Schiessen mit Pfeil und Bogen. Die niederste Art, das Suchen nach wirbellosen Tieren, die schon in dem letzten Absclin. IV. d erwähnt wurde, ist Sache der Frauen. Sobald die Zeit der Syzygien kommt, zur Neu- und Vollmondszeit, während welcher das Niedrigwasser in die Vormittagszeit fällt, eilen sie mit einem Stäbchen, einem Stock 3 und einem Fischkorb (ola) bewaffnet, hinaus in die trocken fallende Rifflagune, wie unten näher beschrieben (Geschichte 1). Letzterer ist eine ca. 40 cm im Quadrat haltende Tasche, aus dem vorderen Teil eines gespaltenen Kokoswedels (da vorne die Fiederblätter enger sitzen und der Schaft dünner ist), eng geflochten, und zwar so, dass der gespaltene Schaft die Ränder der Öffnung bildet, während die Blatt- spitzen am Boden zusammengeflochten sind. Dieser Korb ist zwar grob geflochten, aber doch so eng, dass auch nicht die kleinsten Fischchen hinausfallen können und wird um die Schulter gellängt auf der Seite oder auf dem Rücken getragen. Jedes Loch, jeder lose in der Lagune liegende Korallen­block wird abgesucht, kurz jeder Schlupfwinkel. Es ist merkwürdig, wie gut die Weiber es unter­scheiden können, was in einem Korallenloch drinnen ist, nachdem sie mit dem Stab nachgefühlt

haben. Denn die Gefahr ist keine geringe, wenn z. B. eine Muräne (pusi) drinnen sitzt, deren

Biss tödlich sein kann, oder eine Wasserschlange (Pelcimis) oder ein Lysiosquilla -Heuschreckenkrebs (valo), der mit seinen scharfen scherengleichen Händen und mit seinen messerscharfen Schwanz­schildern leicht Fingerglieder abtrennt. Dagegen gehen sie den Tintenfischen nur mit der Hand entgegen und haben sie dieselben herausgezogen, so heissen sie denselben mit den Zähnen den

Nacken durch, wobei die Arme des Polypen sich um Gesicht und Brust schlingen und mittels der

Saugnäpfe rote Ringe auf der Haut verursachen, die oft wochenlang sichtbar bleiben. Die Muränen und Seeaale (pusi), sowie die Heuschreckenkrebse werden indessen seltener am Riffrande in den Korallenhöhlen (lua) gefangen, als vielmehr in der sandigen Strandlagune, wo sie in Löcher im Boden sicli verkriechen. Hier gehen ihnen besonders die Männer zu Leibe, die mit ihren geübten Augen sofort sehen, wo einer der Krebse hineingeschlüpft ist. Sie haben dann mehrere zugespitzte Stäbe zur Hand, die sie in die Umgebung eintreiben, bis das geängstigte Tier herauskommt, um dann sofort gespeert zu werden. Namentlich in der Safata-Lagune ist der valo ungemein häufig, aber auch bei

1 Der Fischfang im weiteren Sinne wird auf Samoa in grosser Mannigfaltigkeit ausgeübt, und wenn Stair p. 201 sagt, dass er von 100 verschiedenen Arten gehört habe, 31 mit Netzen, 7 mit Speer, 16 verschiedener Art, 17 fiir Muscheln und 12 mit Fischkörben und Töpfen, so ist dies sicher nicht übertrieben. Schade, dass er sie nicht aufzählte, um einen Vergleich der folgenden Angaben zu ermöglichen.

2 figotafanoloa ist ein Schimpfwort für Prahler, weil die Muscheln am Ende eines Mondes wässerig sein sollen, Stair p. 127.

3 Manchmal haben sie auch ein säbelähnliches Holz la'au fa'ama'ama'ai zum raschen Zuschlägen durchs Wasser.

A. Krämer, Die Samoa-Inseln. 22