Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Ethnographie
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eigenartig ist, dass sie besonderer Erwähnung verdient. Gewinnen doch auch die Samoaner ihren Tabak selber und treiben sogar damit Handel, wie im nächsten Kapitel ausgeführt werden wird 1 .

b) Anlage von Pflanzungen.

Wie schon in Abt. II. e p. 89 betont wurde, fallen die Früchte, die zur Ernährung dienen, den Samoanern keineswegs in den Schoss. Abgesehen von den Wurzeln des wilden Yams (soi), der Cordyline (ti), der Curcuma (ago), den wilden Rpomü'as-Äpfeln (vivao), dem wilden Zuckerrohr (flso) und Pandanus (fasafasa), den Früchten der Eugenia corynocarpa (seasea), der Stärkepflanze Tacca (masoä), dem Seetang u. s. w. sind wildwachsende geniessbare Pflanzenprodukte überhaupt nicht vor­handen, und die genannten kann man nur mit unseren Eicheln, Eapunzeln, Farnwurzeln, Schlehdorn, Sauerampfer u. s. w. gleichwertig als Nahrungsmittel betrachten, während wilde Beeren von einer Güte der Walderdbeere, Heidelbeere, Brombeere dem samoanisclien Walde völlig fehlen.

Es wird somit der Bedarf an Kohlehydraten und Gemüsen wie bei uns nur durch Kulturpflanzen gedeckt, mit der Ausnahme, dass rohe Früchte auf Samoa im allgemeinen überhaupt nicht auf die Tafel ko mm p.n, wie z. B. Bananen, Ananas, Mango, Apfelsinen, Papaya, Anonen, die alle, ein­schliesslich die besseren Bananensorten, ja durch die Weissen eingeführt sind. Man geniesst sie ausser der Zeit wohl hin und wieder, aber zur Malilzeit werden sie höchstens gekocht aufgetragen. Als Nahrungs­mittel isst man dagegen roh nur den Kern der Kokosnuss, und so oft man eine Nuss ausgetrunken hat, pflegen die Samoaner alsbald dieselbe mit dem Messerrücken oder auf Steinen zu zerschlagen, um den Kern auszuschälen; allerdings tliut man das bei der Mahlzeit nur, wenn man nicht satt ge­worden ist, und es gilt demgemäss als für nicht sehr fein, wenn man beim oder nach dem Essen denn die Samoaner pflegen immer erst nach der Mahlzeit zu trinken auch den Kern isst. Dass die Kinder ausserdem ordentlich am Zuckerrohr lutschen, braucht nicht erst erwähnt zu werden, ebenso wie die Mädchen und Knaben die Kerne des Regenschirmbaums, Terminalia leatappa L. (talie), des Inocarpus cdidis (ifi), die Apfel der Jambosa Malaccensis (nonufi'afi'a), des Mango- und des Spondias- (vi) Baumes sehr lieben, wogegen die süssen Pandanus-Polmm nicht geliebt werden, wohl hauptsächlich deshalb, weil die schönen grossen Bohnen, wie ich sie auf den Gilbert- und Marshallinseln sah, auf den Samoa-Inseln nicht vorzukommen scheinen. Re in ecke erwähnt denn auch den Pandanus odora- tissimus von Samoa nicht (siehe fala). Im übrigen sei auch hier auf seine neuere Abhandlung über die Nutzpflanzen (op. 11 p. 302) hingewiesen.

Kokospalmen und Brotfruchtbäume 2 sind stets eng mit den Dorfanlagen verbunden; sie bilden sozusagen die schattenspendenden Bäume in den Dörfern. Direkt hinter den Häusern pflegen stets Bananen angepflanzt zu sein in dichten Beständen beisammen, und da sie viel Feuchtigkeit ge­brauchen, an möglichst tiefergelegenen und schattigen Stellen. Etwas weiter vom Hause folgt Kawa und Zuckerrohr und in den Sümpfen Taro, wie sich z. B. in Apia Taropflanzungen an den schlammigen Bächen beim Kirchhof befinden. Solche sind die regelmässigen Standorte in der Nähe der Ansiede­lungen, und diese Standorte werden illustriert durch zahlreiche Abbildungen, wie z. B. Bild 45 ein Flussästuar zeigt, in dem Taro angepflanzt ist, im Hintergrund umgeben von Kokospalmen, unter denen Zuckerrohr und Bananen gedeihen. Bananenpflanzungen dicht bei den Häusern in Mulinu'u zeigt das Bild 88 und 38, ferner Bild 41 und 59. Brotfruchtbäume, die auf dem Dorfplatz, dem malae, vorzüglich gepflanzt zu werden pflegen, zeigt das Bild No. 12 in Bd. I p. 57. Da aber Ratzel in seiner Völkerkunde (1. Bd. 2. Aufl. p. 145) einen sogen. Jacktree abbildet, nicht einen Artocarpus incisa 3 L.,

1 Eine ähnliche Anfertigung der Cigarette besteht auch auf Fiti (siehe Williams und Calvert p. 138), woraus zu schliessen ist, dass die Samoaner das Rauchen und den Tabakbau von den Fitianern gelernt haben, da ich bis jetzt (wie Reinecke op. 11 p. 312) nicht ausmachen konnte, wer der Urheber war. Neuerdings scheint sich aber sogar ein Export nach Fiti und Tonga ausgcbildet zu haben, wie Reinecke betont.

2 Näheres über diese Pflanzen siehe auch bei Reinecke op. 1Über die Nutzpflanzen Samoas und ihre Verwendung.

3 incisa, nicht incisus,eingeschnitten deutet auf die lappigen Blätter hin, wie das Bild 16 zeigt, wo auch die Früchte deutlich zu sehen sind, die an den Zweigen sitzen. Beim Jacktree sind die Blätter dem Limonenbaum ähnlich, also ganzrandig, klein, und die Früchte sitzen zumeist am Stamm, wie bei Ratzel zu sehen. Der Jacktree ist eingeführt und die Früchte werden nicht gegessen. Ein solcher steht z. B. auf dem Vaea-Berge bei Apia auf dem Missionsgrundstück. Nahezu ganzrandige Blätter kommen zwar auch beim richtigen Brotfruchtbaum, nämlich bei der maopo-Art vor, aber sie sind dann sehr gross und nicht glänzend wie die des Jacktree.