Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1903) Ethnographie
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

Abschnitt IV.

Pflanzungen und Kochkunst.

a) Herkunft des Feuers und der Küchengeräte; das Kochhaus und die

Mahlzeiten.

Die Samoaner haben eine Sage, dass sie einst in grauer Vorzeit keine Häuser hatten und dass sie nur kalte Speisen assen, bis ihnen Ti'eti'e, der polynesische Maui, das Feuer brachte. Die Sage ist schon im ersten Bande behandelt, wo p. 400 das Nähere einzusehen ist. Es heisst, dass der Vater des Ti'eti'e mit Namen Talaga täglich in die Unterwelt, nach dem Salefe'e ging, wo der Feuergott Mafu'ie herrschte, um dort Speisen warm zu machen, die er dann seiner Familie brachte. Als Ti'eti'e herangewachsen war, folgte er eines Tages heimlich seinem Vater und sali, wie jener durch ein Loch in die Tiefe stieg. Alsbald drang er auch dorthin vor, kämpfte mit dem Mafu'ie, zerbrach ihm einen Arm, so dass er als Lösegeld das Feuer erhielt. Mit einem Feuer­brand zog er nach oben und schlug mit demselben die Bäume des Waldes, die von nun an brenn­bar wurden.

Diese Sage spielt in unverkennbarer AVeise auf das Feuer der Vulkane an, deren erloschene Krater ja heute allenthalben die Berge von Samoa krönen und für deren Thätigkeit vor noch nicht allzulanger Zeit unzweideutige Beweise vorhanden sind, während heute nur schwache Erdbebenstösse an die alte Zeit erinnern, die der einarmige Mafu'ie mühsam noch hervorzubringen vermag.

Das Schlagen der AValdbäume mit dem Feuerbrande ermöglichte es aber den Samoanern, dass sie nun aus dem Holze Feuer zu reiben (si'a Pratt und Stuebel p. 66) vermochten. Das Grund­prinzip ist dabei, dass man auf einem flachen weichen Holz, meist fu'afu'a (Kleinhovia), faxt (llibxscus) oder milo (Thespesia), mit einem Stabe aus hartem Holze möglichst rasch und kräftig-pressend hin und her fährt, so dass durch die allmählich sich verstärkende Reibungswärme das Mehl, das vom weichen Holz abgemahlen wird, ins Glühen gerät. Rasch bläst man dann darauf, und bringt leicht entzünd­bare Fasern und Späne mit dem Glühenden in Verbindung, bis das Feuer herausschlägt. Bei Stuebel p. 66 findet sich eine Beschreibung, wonach das Holz unten si'aga und der Reibstab gatu mög­lichst aus gleichem weichen Holz sein sollen, und dass man sich zu dem Zwecke getrocknetes Holz vorrätig hielt, dass es aber auch Hölzer im Busch giebt, welche frisch Feuer geben, wovon ich mich auf manchen Gebirgstouren überzeugen konnte, wenn der Regen alles bis auf die Streichholzbüchsen durchweicht hatte. Heute haben die Samoaner die letzteren neben den Petroleumlampen sehr schätzen gelernt, und Streichholzschachteln gehörten deshalb zu meiner steten Ausrüstung auf Reisen, welche an Stelle des fehlenden Kleingeldes dankbarst überall entgegengenommen wurden.

Dieser samoanische Siegfried Ti'eti'e brachte aber nach Stair p. 238 nicht allein das Feuer aus der Tiefe, sondern auch den Taro, dessen Beschaffung allerdings auch L o s i zugeschrieben wird, wie aus dem nächsten Kapitel zu ersehen. AVie dem auch sei, als Lehrmeister im Taropflanzen und dann auch im Kochen gilt jedenfalls der in Bd. I p. 26 gleichfalls schon ausführlich erwähnte Pili, welchen v. Biilow deshalb mit Recht denStammvater der Samoaner genannt hat. Er war es nämlich, welcher von Manu'a über alle Inseln nach Westen ziehend, die ungeschickten Samoaner mit den Grab- und Kochgeräten, dem sogenannten fatuäiga bekannt machte. Man sagt, dass eine Ausrüstung aus 10 Dingen bestehe, welche das Bild 42 (ak) zeigt, nämlich: