— 114
eines zwergigen Baumes nonuvao (Morinda citrifolia) liinzugetlian. Dies wird dann in einen Beutel von reinem weissen Rindenstoff gethan und dem Kinde als Lutsclibeutel gegeben. Am zweiten Tage fügt man noch eine zweite Blüte und am dritten eine dritte hinzu, worauf die Mecken verschwinden, v. Biilow fügt mit Recht hinzu: „Fraglich ist es nur, ob der ila mea auch ohne das angewandte Arzneimittel nicht ebenfalls und ebenso rasch verschwunden wäre.“
Nach Wilkes II. p. 124 werden die Kinder mit einer Kokosnusshülle abgerieben, dann ein Brotfruchtbrei aufgeschmiert, dann gewaschen.
Sieht man von den genannten „Hautkrankheiten“ ab, gegen die sich der Europäer durch Reinlichkeit und Beförderung der lokalen Hygiene leicht schützen kann, so darf Samoa als das gesündeste tropische Gebiet bezeichnet werden, das man sich denken kann.
Möge es immer so bleiben!
b) Die Heilkunst der Eingeborenen.
Seit dem Erscheinen des Buches „Über die Medizin der Naturvölker“ von Max Bartels hat man sich steigend mehr für die Medizin der uncivilisierten und Naturvölker interessiert, weniger in der Hoffnung, neue heilbringende Arzneimittel zu entdecken, als vielmehr vom ethnologischen Standpunkte aus, indem auch dieser Seite des Lebens höhere Beachtung geschenkt wurde. Unsere Pharmakopoe schleppt schon genügend Ballast mit sich, als dass dieser unbilligerweise noch vermehrt werden dürfte. Aber das Denken jener Völker in der Heilkunde und die Art ihrer Ausübung derselben interessiert uns doch in manch anderer Hinsicht, nicht zum mindesten im Vergleich der Völker untereinander, und so scheint eine kurze Nachricht über die bis jetzt unbekannt gebliebenen Rezepte der Samoaner gerechtfertigt.
Ehe ich indessen diese aufzähle, will ich in kurzem über die Ausübung der Medizin im alten Samoa berichten, vornehmlich nach den Berichten von Turner und Stair, denen ich nichts wesentlich Neues hinzufügen kann.
Die Heilkunde der Samoaner steht, wie bei allen Naturvölkern, auf einem niederen Standpunkte, indem alle schwereren Erkrankungen den Dämonen, den aitu, zur Last gelegt werden. Die Natur ist von diesen belebt; heimtückisch lauern sie allenthalben den Menschen auf, um sie zu beschützen oder zu schädigen. Deshalb war auch hier das Heilgewerbe in den Händen der Priester, der tauläitu 1 , welche mit den Dämonen in Verbindung standen, indem sie die Krankheiten (ma'i) zu heilen (fö) vermochten, weshalb auch die Ärzte foma'i genannt werden. Diese heilten die Kranken durch Besprechen oder mittels Anrufen der Götter, wie z. B. Turner p. 59 erzählt, dass zu einem solchen Priester die Leute kamen und er dann die schmerzende Stelle mit Öl einrieb (folau) unter fünfmaligem Anrufen des Gottes Taisumalie. Dann ging der Kranke nach Hause und wartete seine Genesung ab. Trat diese ein, so wurden Geschenke dem Gotte und seinem Priester gebracht, während er im Gegenteile leer ausging. Denn man bezahlte in Samoa nur für erfolgreiche Kimen. Auch Priesterinnen gab es, wie z. B. Alaiava, die dem Apelesa diente (siehe Turner p. 65), und die sich in eine Hütte einschliessen liess, worauf dieselbe wie bei einem Erdbeben zitterte, wonach zu schliessen ist, dass es eine sehr kräftige Frau war. Wenn sie herauskam, verkündete sie, was es für eine Krankheit war und wie dieselbe behandelt werden müsse. Turner fügt hinzu: the result was some recovered, some died, was durchaus einleuchtet.
Jede Krankheit hatte ihren besonderen Arzt (Turner p. 140). Oft brachte der tauläitu ein Bündel Rindenstoff mit, in welches Blumen aus dem Busch eingebunden waren und welches er über dem Haupte des Kranken im Hause anbrachte; denn jede Krankheit galt eben als Strafe, und die Ursache des Zornes der Götter zu ergründen, wurde für viel wichtiger angesehen als Arznei. In dem letzten Abschnitt p. 98, bei den Strafen, wurde schon ausgeführt, wie durch Gestehen irgend einer Übertretung Rettung erhofft wurde, und so ist es begreif lieh, dass deshalb die Priester stets herbeigeholt wurden. Forderten diese ein Schwein, ein Boot, eine feine Matte oder selbst ein Stück Land, um die Götter zu besänftigen, so wurde es willig gegeben. Dass dies zumeist in die Taschen dieser Priesterärzte floss, braucht nicht wohl besonders erwähnt zu werden; denn auch sonst wussten sie sich Essen, Rindenstoffe, feine Matten u. s. w. in genügender Menge zu sichern. Ein hübsches Mittel erwähnt auch Turner p. 47, dass bei manchen Krankheiten der Kranke ein Stück Wald klärte als Opfer für
1 Siehe in Bd. I p. 23.