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Am 8. Tage nun ungefähr nach der Gehurt, wurde dann gewöhnlich der Kopf mit einem Haifischzahn rasiert. Lustbarkeiten und Schmausereien beschlossen die Feier, nach welcher dann die Verwandten des Ehegemahls mit ihren Geschenken wieder abzuziehen pflegten.
Sobald aber das Kind kräftig genug war, um die Reise antreten zu können, dann sammelte die Familie der Frau von neuem Geschenke, um mit denselben das Kind in das Haus des Mannes zurückzubringen. Dies nannte man: 'Ua fa'aulufale mai le tama a le faletua o le ali'i! „Das Kind der Frau des Häuptlings ist ins Haus eingezogen!“ Damit ist der erste Lebensabschnitt des Kindes zu Ende. Es beginnt der Aufenthalt im Vaterhaus; freilich nicht immer. Denn ist die Frau niederer Herkunft, so schickt der Mann oft Frau und Kind zurück (s. Stuebel p. 125 und Bd. I p. 38 u. 39). Im andern Falle beginnt die weitere Erziehung im Vaterhaus, wo die Frau aber so lange vom Manne unberührt bleibt, als sie das Kind an der Brust hat, ungefähr ein halbes Jahr. Denn ein samoanisclies Sprichwort sagt: Aüa le sopoina le failele! Schreite nicht über die stillende Wöchnerin (Stuebel).
Gebräuchlichste Worte bei der Geburt nach Pratt.
'alu'alutoto Blutklumpen.
'ele'ele Menses.
onoono das Durclitreten des Kopfes, uitolu Drilling, ulumatua erstgeboren, fa'afa'i nur mit Muttermilch ernährt, fa'afafine Hermaphrodit, fa'alupe das einzige Kind sein, fa'amatamaina gleich nach der Geburt gestorbenes Kind, fa'amotuäiga fruchtlos, fa'atosaga als Hebamme thätig sein, failele säugen, fafano abortieren, falefale |
,, ! Placenta.
fanau gebären, fanauga Geburt, fanauleäu Frühgeburt, fanaupalasi beständig gebären, ga'aufanaua fruchtbares Weib, lano (lanu) Fruchtwasser, lanototo rotes Fruchtwasser, das ein männliches Kind anzeigt, ma’itaga Wochenbett, Entbindung, ma'itö schwanger, malama schwanger im 9. Monat, manava vordere Fontanelle, masaga Zwillinge, masagälei Zwillinge, 1 Knabe und 1 Mädchen.
masagatama Zwillinge, 2 Knaben, masagateine 1 Zwillinge, 2 Mädchen, pa'ifailelea im Kindbett sterben, papä Abortus. pä unfruchtbar.
si'isi'itama 2 Geschenk bei der ersten Schwangerschaft.
siligäfanaua zu alte Jungfer, um Kinder zu bekommen, sosolo herumliegen (kriechen) wie ein Weib, das konzipiert hat. ta'i'itama Lochien, tau'upu Schoss, tamapäpä Abortus. tinamanafa fruchtbar 3 .
d) Kindheit und Pubertät, Beschneidung und Tatauierung.
Die samoanisclien Kinder führen von der Wiege 4 an ein angenehmes Dasein, denn bei dem ausgeprägten Familiensinn der Samoaner wird jeder neue Zuwachs als eine Stärkung der Familie mit Freuden begrüsst. Je mehr Kinder vorhanden sind, desto hoffnungsreicher ist die Familie, desto mächtiger ist sie in Kriegs- und Friedenszeiten. Fehlt doch auf jenen immergrünen und immer warmen Inseln, welche noch ausserdem spärlich bewohnt sind, die uns so wohlbekannte Gestalt der Sorge. Denn die Kinder gehen meist nackt und auch die Erwachsenen brauchen nur einen Gürtel aus ti-Blättern oder ein Stück Rindenstoff als lavalava um die Hüften geschlungen, das sie selbst anzufertigen im stände sind. Nicht weniger günstig steht es mit der Behausung und mit der Ernährung, da das fruchtbare Land alle Erträgnisse in Hülle und Fülle liefert und das Meer Fische und Kleintiere in unerschöpflicher Masse. Obwohl nun die Kinder sehr lange die Mutterbrust erhalten, oft 1—2 Jahre und mehr, werden sie doch schon sehr frühe mit andern Leckereien, als Zuckerrohrsaft, Stärkepuddingen und süssen Bananen, die von den zärtlich ergebenen Pflegerinnen vorgekaut werden, förmlich gemästet. Alles, was das Kind thut, erregt Bewunderung, und so feiern sie alle Phasen des jungen Lebens mit neuen Festen. So sagt Turner im Anschluss an die obige Schilderung der Festlichkeiten bei der Geburt: „Wenn das Kind stark wurde und im stände war aufrecht zu sitzen, gab es ein anderes Fest für das Sitzen des Kindes. Ein drittes Fest war für das Kriechen
1 Yergl. z. B. Taemä und Tilafaigä Bd. I. p. 107, welche zusammengewachsen (pi'ilua) waren.
2 Yergl. oben p. 50.
3 Vergl. die Henne mit Küchlein Bd. I p. 410.
4 Eine Wiege giebt es in Samoa in Schaukelform, ähnlich denen, in welche unsere kleinen Kinder gesetzt werden, ein viereckiges Brett, an den 4 Ecken je ein Tau und ringsum Stäbe oder Schnüre, damit das Kind nicht herausfallen kann. Ich sah eine solche Schaukel in Falelatai, weiss aber nicht, ob sie ursprünglich in Samoa vorkam, möchte es aber annehmen, da ähnliche Schwingen in Kistenform auf den Banda-Inseln Vorkommen sollen, lue heisst in Samoa „wiegen“, z. B. im Tanze, tanpega die Schaukel oder fa'apiu (Pratt),