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Bd. 2 (1903) Ethnographie
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Elemente betrachtet. Denn es kämen beide Rassen nebeneinander vor. Im Osten herrsche der poly- nesische Anteil, im Westen überwiegen die Melanesier.

Ähnliches hat ja schon Krause (S. K. p. 572) auf Grund seiner kraniometrischen Unter­suchungen berichtet, der die Mikronesier für ein Mischvolk erklärt und deshalb sogar den Namen abgeschafft wissen will. Wer sich für diesen Widerstreit der Meinungen interessiert, der findet bei Hager im Ausland Jahr 1886 Bd. 59 1 eine treffliche kurze Übersicht über die verschiedenen An­sichten der früheren Zeit.

Die von den meisten früheren Besuchern kundgegebenen Angaben der Gilbertinsulaner, dass sie in alter Zeit von Tamoa aus bevölkert worden seien, wurde auch mir auf das bestimmteste gemacht. Man erzählte mir, dass diese Einwanderung unter dem fremden König Batuk stattgefunden habe. Auch auf die Sage von der Reise des Nareau aus Samoa nach Tarawa und zurück, welche Newell im Journ. of the Polyn. Soc. 1885 veröffentlicht hat, sei hier hingewiesen; endlich auch noch auf die von Ella erwähnten Reisen der Samoaner nach Mangarewa (J. Pol. Soc. 1896) und die in Stairs Buch Kap. XII ausführlich geschilderten Early Samoan voyages and Settlement nach Tahiti und Rarotonga, die schon in Bd. I p. 394 erwähnt wurden.

Wenn aber neuerdings Yolz p. 40 trotzdem die Mikronesier nach Gerland, Wake u. s. w. als mikronesischen Zweig der melanesischen Rasse einfügt, merkwürdigerweise gleichsinnig in beiden Teilen wie Krause, so möchte ich betonen, dass man dann mit demselben Recht die Eitianer unter die Polynesier aufnehmen könnte, wie ja auch Volz p. 53 sagt, dass die westlichen Eitianer reine Melanesier seien, während bei den östlichen die polynesische Rasse vorherrsche. Äusserlich somatisch betrachtet, ist dies ebenso unrichtig, wie der erste Schluss, wenn es auch theoretisch mehr passt. Sowohl die Eitianer als die Mikronesier haben ihre bestimmt abgestuften Beziehungen zu Samoa bezw. zu Polynesien, so dass man vielleicht am besten tliäte, die ersteren als Melapolynesier, die letzteren als Mikropolynesier oder Polymelanesier zwischen die beiden Hauptgruppen zu stellen, wie dies ja auch thatsächlich schon vorgeschlagen wurde. Dies soll nur darauf hinweisen, wie scharf und bestimmt der Kontakt zwischen Samoa und den umliegenden Inselgruppen seit alters war, wodurch manches in den Unebenheiten eines solchen Volkes verständlich wird. Es soll aber auch daran erinnern, wie viel noch auch in dieser Beziehung im Pacific zu tliun übrig bleibt.

Ich will im folgenden Kapitel die äusseren somatischen Merkmale, vornehmlich der Samoaner, kurz aufzählen.

b) Allgemeine Körperbeschaffenheit und physische Eigenschaften.

Wie schon im vorhergehenden Kapitel betont, sind die Beziehungen der Samoaner mannig­fachere, als man es bei einem Volke erwarten sollte, welches in pacifischer Isolierung seit Menschen­gedenken seine Inseln bewohnt. Immerhin darf man aber doch sagen, dass die samoanische Volksrasse im ganzen betrachtet, als rein aufgefasst werden darf. Dies spricht sich darin aus, dass die durch­schnittliche Körperbeschaffenheit eine durchaus gleichartige ist, und dass die Abweichungen, soweit sie überhaupt als deutlich erkennbar vorhanden zu betrachten sind, nur in einzelnen markanten Punkten sich geltend machen, welche man als hinzugetragene persistente Rassenmerkmale auffassen muss. Diese sind hier vor allem die Haare, dann auch Nasen, Augen, Waden u. s. w. Es ist eine alte Erfahrung, welche wir ja bei der blonden germanischen Rasse oft genug zu machen im stände sind, dass jüdisches Blut oft nach Generation und Generationen wieder in Erscheinung tritt. Schwarze Haare, dunkle Augen, gebogene Nase und bräunlicher Teint sind die untrüglichen Kennzeichen. Dies ist ja auch einer der wesentlichen Gründe, warum gewisse Anthropologen eine Mischrasse geleugnet haben. Ich will auf diese verwickelte Frage im speciellen hier nicht eingehen, zumal da es mir an umfassender Erfahrung fehlt, und es überdies nicht in den Rahmen dieser Arbeit gehört. Es will mir nur scheinen, als ob man dieEidjianer doch als ein solches Mischvolk ansprechen könnte, wie es ja in der That auch schon des öftern geschehen ist. Denn gleichmässig zeigen sie bei melanesischer dunkler Hautfarbe und krausem Haar den polynesisch-muskulösen Körperbau 2 , welcher sich auch be­sonders im Besitze von kräftigen Waden kundgiebt, die den Melanesiern vielfach fehlen, und die auch bei den andern Mischvölkern, wie z. B. auf den Loyalitätsinseln sich zeigen. Wenn dieWaden-

1Die Kassenfrage der insularen Völker, besonders der Mikronesier. Eine Übersicht über die neueren Hypothesen.

2 Graeffe np. 4a nennt die Samoaner merkwürdigerweise ein durch Inzucht skrofulöses, geschwächtes und entartetes Volk.