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24. Zcimoci.
Die samoanische Bevölkerung hat sich im Laufe der letzten Jahrhunderte nahezu vollständig aus den Höhen an die Kästen gezogen. Es gibt nur noch einige wenige Gebirgsdörfer. Man kann nicht sagen, daß die Küste fruchtbarer ist als das Gebirgsland; aber sie bietet mehr Abwechslung und bequemeres Leben, was den Samoanern sehr zusagt. Da das Küstenklima ferner milder und erschlaffender ist als das Gebirgsklima, so trägt es viel dazu bei, sie zu verweichlichen. Nur selten steigt der heutige Samoaner ins Ge- birge, um Tauben zu schießen oder Schweine zu jagen oder Nutzholz zu schlagen, aber gleichwohl ist nahezu das ganze Gelände des Innern der Insel unter den einzelnen Dorfschaften und Stämmen aufgeteilt. Dieser Umstand weist auch darauf hin, daß die Urwälder früher bewohnt waren; denn am Urwalde selbst, der dem Samoaner wenig und nichts einbrachte, nimmt er sonst keinen Anteil.
Bis jetzt führen die Samoaner ein harmloses und sorgloses Leben, ohne viel Mühe und Arbeit. Für ihre Ernährung sorgt die allzeit gütige Natur- mehr als sie selbst. Nur selten versagt sie. Hungersnot ist bei der geringen Bevölkerung bis jetzt nur einmal bekannt geworden. Die Natur spendet jahrein, jahraus und immerfort, während des ganzen Jahres, reiche Ernten. Kokosnüsse, Brotfrüchte, Papayas, Mangopflaumen, Ananas, Apfelsinen, Bananen und Zuckerrohr gedeihen in Massen und vermehren sich ohne viel Arbeit. Nur die Knollengewächse Taro und Pams bedürfen der Feldkultur, und allwöchentlich, Freitags, pflegt der Samoaner dieser einen Arbeitstag zu widmen. Für Fleisch sorgt der Wald mit Tauben und verwilderten Schweinen; das Meer mit seinen flachen Korallenbänken liefert dazu Fische, Muscheln, Krabben u. dergl., und das alles so reichlich und vielseitig und schmackhaft, daß eine samoanische Festtafel stets überladen voll erscheint. Selten erblickt man bei einem Naturvolke so viele und so mannigfaltige Nahrungs- und Genußmittel, die stets zur Hand sind, als in Samoa. Nahrungssorgen kennt dieses Volk nicht und ebensowenig Sorgen um die Bekleidung und um Schutz gegen etwaige Ungunst der Witterung. Für die Gewänder liefern verschiedene Bastgewächse den Stoff, und als Behausungen dienen ausschließlich luftige, offene, gut bedeckte hohe Hütten mit gesonderten Kochhütten. Da die Temperatur an der Küste gemeiniglich nur zwischen 20 und 30 Grad schwankt, so genügen diese Behausungen vollständig, und das Bolk fühlt sich wohl und gesund darin.
Diesen Umständen ist es auch zuzuschreiben, daß sich das samoanische Volk zu einem schönen und kräftigen Menschenschläge entwickelt hat, der von Gesundheit geradezu strotzt, und den man sogar als den schönsten der Welt bezeichnet hat. Die stets gleichmäßige und reichliche Ernährung, der beständige Aufenthalt in der freien Luft, der Abschluß gegen fremde Ansteckung — früher wenigstens — haben bis jetzt Krankheit und Seuchen von diesem glücklichen Volke ferngehalten, so daß sie an seinem Marke nicht zu zehren vermochten. Ich glaube auch, daß der eigenartige poröse und durchlässige Boden Samoas, der selbst die stärksten Regengüsse in kürzester Zeit aufsaugt und verschwinden läßt, sehr dazu beiträgt, die Gesundheit zu fördern und vielleicht auch das böse Fieber, die Malaria, fernzuhalten. Auch die kühlen Seewinde, die diese Insel fast beständig umwehen, üben durch ihre frische Luft auf die Gesundheit des Volkes einen günstigen Einfluß aus.