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sie ihn nicht verwerten. Denn da kein Stück genau wie das andere aussieht, kennt jeder Besitzer sein „Steingut" ganz genau. Wo es irgend im Handel erschiene, oder wo es auch aufgestellt würde, fände er es gleich heraus, belegte es mit Beschlag und hätte den Dieb am Schöpfe.
Aus^Sales.ius: Die Karolineninsel Jap.
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Aus der öden Wasserflut des Stillen Ozeans taucht im Osten der Karolinen ein breiter Schwärm niedriger Eilande auf. Es sind die Marshallinseln. Die einzelnen Risikränze oder Atolle erheben sich auf zwei platten, unterseeischen Rücken, die durch eine tiefe, kanalartige Furche voneinander getrennt sind. Die längere östliche Reihe führt den einheimischen Namen „Ratak", d. b. Inseln gegen Tagesanbruch; die westliche etwas kürzere Kette wird, „Ralik" oder Inseln gegen Tagesende genannt. Alle haben denselben Bau und dieselbe Entstehung; denn sie verdanken ihr Dasein ausschließlich der Tätigkeit jener winzigen Korallentierchen, welche die Gewässer der wärmeren Meere bevölkern und jede Küste, jeden Fels mit einem starren Kalkpanzer umgürten. Wo der hohe Jnnenkern versunken ist, bleibt doch der äußere Ring bestehen, der sich indes nur wenig über den Meeresspiegel erhebt und meist einen stillen Binnensee, die Lagune, birgt. Zu ihr führen verschiedene Pässe oder Durchfahrten, die oft so tief sind, daß sie selbst von Kriegsschiffen benutzt werden können.
Kommt man nach längerer Seereise endlich vor einem der Marshallatolle an, so erscheinen zuerst, wie in der Luft schwebend, die Wipfel eines langgestreckten Kokoshaines. Später wird auch der weiße Ufersaum kenntlich, vor dem unaufhörlich die schäumende Brandung dahinsaust. Ihr Rollen schlägt gleich fernem Donner an unser Ohr, und mit Staunen werden wir gewahr, daß unser Dampfer stracks aus das tobende Wasser zusteuert. Schon zeigen sich rechts und links einzelne Korallenstöcke in bedrohlicher Nähe, zwischen denen wir unsern Weg zur Einfahrt in die Lagune nehmen. Jetzt bleibt die Brandung hinter uns, der Wogenschlag glättet sich, und wir eilen in weitem Bogen durch das sanft gekräuselte Wasser des Binnensees dem Ankerplätze zu.
Still und einförmig dehnt sich das Gestade vor uns aus, denn die Natur hat diese Inseln nur spärlich mit Gaben bedacht. Keine üppig grünen Berge steigen vor uns auf wie in Samoa; keine fette Marsch voll wogender Ähren prangt im Sonnenschein. Nur schmale, flache Eilande sind es, die den Oberrand des Atolles krönen. Überall liegt harter, dürrer Sand, von Korallentrümmern erfüllt, die das Gehen ungemein erschweren. Mehr landeinwärts zeigt sich das Geröll etwas zerrieben und zerkleinert. Schon treten die ersten Pflanzen auf, ein paar Schlinggewächse und niederes Gebüsch mit dem Loa-Strauche darin, aus desseu Bast die Eingeborenen mit vielem Geschick ihre Körbe und Matten flechten. Allmählich legt sich über den bleichen Sand eine dünne, schwärzliche Ackerkrume. Sie trägt die wichtigsten Nähr- pflanzen der Inseln, die Kokospalme, den Pandanus- und den Brotfrucht-