Druckschrift 
Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

182

22. Das Zteingelö.

Es gibt verschiedene Geldsorten anf Jap: den Bast des Hibiskusstrauchs, Perlmutterschalen, das berühmte Steingeld und schließlich noch die wenig umlaufenden europäischen Münzen.

Das interessanteste Stück ist das Steingeld. Es dürfte das sonderbarste Geldstück der ganzen Welt sein und ist nur auf Jap allein zu finde». Dieser Geldstein besteht aus gelblich-weißem, kristallisiertem Kalkspat oder Arragonit, einem Gestein, das auf Jap nicht vorkommt, dagegen anf einer der Palau- Jnseln sehr reich vertreten ist. Dort wird es von den Japleuten gebrochen und zu einer dicken, runden, in der Mitte durchlöcherten Scheibe behauen. Der Umfang wechselt zwischen Taler- oder Handtellergroße und mächtigen Mühlsteinen von 1 bis Ifis irr Durchmesser und mehr. Das Loch in der Mitte dient dazu, die Steine tragbar zu machen. Bei den kleineren Stücken führt man eine Schnur hindurch, an der sie getragen werden, und bei den Mittelschweren je nach Größe eine mehr oder weniger dicke Bambusstange, mit der zwei Männer, der eine vorn, der andere hinten, die Last auf ihrer Schulter tragen. Bei den größeren Steinen steckt man durch das entsprechend weit gearbeitete Loch den Stamm einer schlanken Betelpalme, bei den Riesen­stücken den mehr oder weniger starken Stamm einer Kokospalme hindurch. Auch diese Riesenlasten werden auf der Schulter fortgetragen, wozu manch­mal 20 bis 30, ja noch mehr Personen .erforderlich sind. Zuweilen versucht man auch wohl, die Ungetüme wie ein Rad auf dem Wege weiterzurollen.

Der Wert dieser Geldsteine ist in den Augen der Eingeborenen ein ganz ungeheuerer. Man darf sich darüber auch nicht wundern; denn um in ihren Besitz zu gelangen, gilt es, endlose Schwierigkeiten zu überwinden. Zunächst muß auf gebrechlichem Boote die weite gefahrvolle Seereise nach den Palau-Juseln in W. S. W. von Jap unternommen und dort gegen gewisse Abgaben und Dienste die Erlaubnis zum Steinbrechen eingeholt werden. Es muß dann ferner der Stein mit großer Mühe gebrochen und behauen werden. Das war zumal früher, wo es nur unvollkommene Äxte mit Stein- und Muschelschneiden gab, für den trägen Kannten eine wahre Höllenarbeit. Und nun kommt erst die Hauptschwierigkeit: Die Beförderung der fertig gehauenen Mühlsteine nach Jap. Man denke an die früher ge­bräuchlichen Fahrzeuge, ein schwaches armseliges Boot, oder gar noch ein aus mehreren aneinander gebundenen Bambusstämmen hergestelltes Floß, das von dem Boote ins Schlepptau genommen wurde! Und anf diesen Fahr­zeugen mußte ein so schwerer Steinklotz von nicht selten 20 Zentner Schwere über die hohe See befördert werden. Welche mühselige Arbeit selbst bei gutem Wetter und günstigem Winde! Aber nun erst Gegenwind oder Sturm und hohe See! Wieviele Flöße und Boote da zerschellt, wieviele Mannen mitsamt ihren Steinen da Schiffbruch gelitten und in die Tiefe versunken sind, das erzählen die stummen Wellen nicht, davon schweigt der Nimmersatte, unendliche Ozean. Oder wenn es noch günstig ging, wieviele wurden von Wind und Strömung erfaßt, nach fremden ungastlichen Inseln verschlagen und blieben verschollen! Oder wie oft mag die Mannschaft im Kampfe mit den Wogen Boot und Leben gerettet, dagegen das Floß mit dem Steine, mit dem Schatze, vor ihren Äugen verloren haben, vielleicht erst noch in letzter Stunde im Angesicht der heißersehnten Heimatinsel! Enttäuschung, bittere Enttäuschung!