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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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der unseres Bundesstaates Bremen. Bei diesen kleinen Verhältnissen erscheint es nicht wunderbar, daß man von dem höchsten Berge, dem 300 Meter hohen Köbull, nicht nur das gesamte seste Land zu überschauen vermag, sondern auch ringsum weit darüber hinweg die unendliche Fläche des Meeres. Der Blick ist nngemein reizvoll. Von den tiefblauen Wogen des Ozeans hebt sich zunächst in wechselnder Entfernung ein die ganze Insel umziehender, bei Sonnenlicht silberweiß glänzender Kranz, die Brandung ab. Viele Meter hoch spritzen die in Schaum zerschlagenen Wellen auf, mit denen sich das Meer gegen das Küstenrifs bricht. Davor, dem Lande zu, spielen grünliche und gelbliche Lichter auf dem ruhigeren Wasser, als Widerschein des hellen Korallcnbodens, der zur Ebbezeit oft kaum in Manneshöhe vom flüssigen Element überspült wird. Da und dort baut sich die Koralle höher auf, winzige Eilande bildend, die entweder dauernd oder nur bei tiefem Wasser­stande sich über den Spiegel des Meeres erheben. Diese sind naturgemäß kahl; jene erscheinen mit Palmen und anderen Bäumen bedeckt, zwischen denen die Dächer verschiedener Handelsniederlassungen hervorlugen.

Wir schauen von unserem Berge, von dem bei klarem Wetter nach der Färbung des Wassers jede Untiefe aufs deutlichste zu erkennen ist, nach Stellen rings im Kreise aus, die es auch tiefer gehenden Schiffen gestatten, sich vom Ozean her dem Lande zu nähern. Wir sehen hier und da winzige Lücken in dem weißen Schaum kränze der Brandung; aber nur eine davon, im Osten gelegen, bedeutet gleichsam ein Einfahrtstor von dein aus eine Straße für Dampfer bis dicht zum Strande führt. Sich tief blau in ihrer Färbung von der helleren Tönung des uuter Wasser befindlichen Riffs ab­hebend, stellt sie in ihren letzten, sich gelegentlich verbreiternden Auszweignngen den Tomilhafen dar, den einzigen Hafen, den Jap für größere Schiffe besitzt.

Vom Meere wendet sich der Blick dem unter uns ausgebreiteten Lande zu. Wir sehen einen zerrissenen Küstenstreifen die Umgebung bilden; allent­halben, besonders aber gegen Mitternacht, springen tiefe, vielfach kanalartig schmale Buchten weit ins Innere vor. Ganz im Norden haben die von ver­schiedenen Seiten her eindringenden Fluten sich au zwei Stellen vereinigt und zwei besondere Inseln vom Hanptkörper Japs abgetrennt. Der Küstenstreifen stellt sich, wenn wir das Auge umherschweifen lassen, in sehr wechselvollem Bilde dar. Bald fällt er steil, oft senkrecht, lO30 Meter zum Meere ab, so besonders im Nordosten und Osten; bald hebt er sich kaum aus der See und bleibt bis weit ins Land hinein eben, so vornehmlich an der gesamten Südspitze und in einzelnen Gegenden im Westen. Dahinter steigt das Land mehr oder weniger plötzlich auf, entweder zu einer einzelnen Plateaustufe oder zu einem Hügelgelände, das in der aus drei Bergen bestehenden Burrä- kette, ungefähr in der Mitte der Insel, seine höchsten Erhebungen findet.

Pros. Dr. H. Volkens.

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Wegen der Lage der Insel Jap nahe am Äquator ist das Klima tropisch heiß. Die mittlere Temperatur im Schatten schwankt zwischen 28° und 32° 0. Trotz dieser Hitze fröstelt der Japmann gleich, wenn der Himmel einmal einige

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