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Sie werden häufig durch Bambusgebüsch und Pandanusbäume unterbrochen, machen aber, da jede menschliche Ansiedlung fehlt, einen öden, verlassenen Eindruck. In früheren Jahrhunderten hat Ponape eine weit dichtere Bevölkerung gehabt, die außerdem ungleich tüchtiger und gesitteter gewesen sein muß als die heutige. Das bezeugen die gewaltigen Ruinen auf einigen Jnselchen im Wetterhafen an der Ostsee der Hauplinsel. Die aus Basaltsäulen hergestellten Bauwerke bedecken eine Fläche von 42 Hektaren, die von einem Netze von Kanälen durchzogen ist. Man hat die ganze Anlage deshalb das „mikronesische Venedig" genannt. Die jetzigen Bewohner wissen nichts über die Entstehung und Bedeutung dieser mächtigen Häuptlingssitze, Grabstätten und Befestigungen, in denen sich einst eine geschäftige Menge tummelte und mit Hilfsmitteln, die uns unbekannt sind, die bis zu 3000 und 4000 Kilogramm schweren Steinsäulen zu den an 10 Meter hohen Mauern aufschichtete.
Heute ist hier alles tot und vereinsamt; denn der heidnische Eingeborene fürchtet die Ruinen aus abergläubischen Gründen, und keine Belohnung kann ihn reizen, seinen Fuß in gewisse, besonders gemiedene Teile zu setzen. Diese Scheu hat ihm selbst das Christentum nicht ganz benehmen können, das schon 1852 durch protestantische Glaubensboten aus Nord-Amerika auf Ponape Fuß gefaßt hat, und dem jetzt etwa die Hälfte alle Einwohner angehört. So weit die Leute Christen sind, kleiden sie sich nach europäischer Art. Bei den Heiden beschränkt sich die Tracht auf einen von den Hüften bis zu den Knien reichenven Rock aus Bastfasern oder den zerschlitzten Blättern der Kokospalme. Bei festlichen Gelegenheiten kommen noch schöne Gürtel, Halsbänder und Stirnbinden hinzu, um den Putz zu vermehren. Durch die Kämpfe und Aufstünde gegen die Spanier waren die Eingeborenen sehr verwildert; sie zeigten sich gegen die Weißen oft anmaßend und ungehörig, wollten von regelrechter Arbeit nichts wissen, sondern gingen lieber ihren Streitigkeiten und Händeln nach, wobei Gewalttaten nicht ausblieben. Die deutsche Verwaltung hatte anfangs mit ihnen keinen leichten Stand. Als aber Ponape im Jahre 1905 von einem furchtbaren Orkan heimgesucht wurde, der Häuser und Pflanzungen der Insulaner zerstörte, da bequemten sie sich, von der Not getrieben, zur Arbeit und gaben auch, um Geld zum Ankauf von Lebensmitteln zu erhalten, ihre Gewehre und Patronen heraus, womit sie bisher nur Schaden angerichtet hatten. So ist das Unglück für sie zum Segen ausgeschlagen, und wir dürfen hoffen, daß sie in nicht zu ferner Zeit nützliche und fleißige Untertanen im überseeischen Deutschland werden.
H. Seidel.
20. Die KcirolinLN-Änksl Icip.
Jap ist, von ein paar kleinen Atollen abgesehen, die westlichste Insel der eigentlichen Karolinen. Mit Kusaie, Ponape, Truk und der ziemlich selbständigen Palaugruppe teilt sie die Besonderheit eines gebirgigen Aufbaues; alle übrigen Glieder des langgestreckten Archipels setzen sich aus niedrigen, eben über das Wasser hervorragenden Koralleneilanden zusammen. Der Flächeninhalt Japs ist mit 207 Quadratkilometern noch nicht so groß wie