Druckschrift 
Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

in beherrschender Stellung, dicht bei dem Hafen, ein Abkommen mit dem Boot ist bei jedem Wasser möglich, das Land ist eben und gewährt sehr reich­lichen Platz; auch die Kriegsmarine kann dort Landübungen in größerem Umfange vornehmen. Deutsches Kolonialblatt. Nr. 9, Berlin I. Mai 1906.

19. Die Karolinen!nlel ponape.

Die weitausgedehnten Karolinen sind von der deutschen Regierung in zwei Verwaltungsbezirke getrennt worden, in die Ostkarolinen und die West­karolinen. Die Hauptinsel der östlichen Gruppe ist das rundliche, von Bergen erfüllte Ponape, das mit seinen 347 Quadratkilometern zugleich das größte Glied in der ganzen Jnselreihe darstellt. Die vielzackige und zerschlitzte Küste ist in ungleichem Abstände von einem breiten Korallenriff umgeben, das zur Ebbezeit auf beträchtliche Strecken trocken gelegt wird. Auf seiner Oberfläche haben sich teils vereinzelt, teils in dichten Büscheln allerlei Meeres­pflanzen angesiedelt, die jetzt über das Wasser Hinausschauen. Mit der steigenden Flut verschwinden sie, und bald ist auch das Riff vom Meere be­deckt, das nun bis an den Fuß der Kokospalmen auf dem Ufersaume vor­dringt. Durch die im Riffkranze befindlichen Lücken wird es selbst größeren Schiffen möglich, die tief ins Landinnere dringenden Häfen zu besuchen und dort an geschützter Stelle vor Anker zu gehen. Die deutschen Beamten und Geschäftsleute wohnen fast alle am Langar-Hafen, der sich am Norogestade zwischen mehreren Jnselchen öffnet und schon während der spanischen Herr­schaft am meisten besucht wurde. Aus jener Zeit stammt auch die gegen 4 Meter hohe und sehr dicke Mauer, welche die europäische Ansiedlung um­gibt. Mitten im Orte steht die von einem kleinen Spitzturme überragte katholische Kirche, deren Glocken an Sonn- und Feiertagen die eingeborenen Christen zum Gottesdienste laden.

Größere Dörfer gibt es auf Pouape nicht. Die Häuser liegen so ver­einzelt und im Walde versteckt, daß man selten mehr als ein halbes Dutzend auf einmal erblickt. Diese bescheidenen Siedelungen findet man aber nur längs der Küste; das Innere ist unbewohnt. Es wird von einem über 800 Meter hohen Gebirge erfüllt, das durch Schluchten und Täler zerfurcht ist, aus denen zahlreiche Quellen und Bäche hervortreten. Zu mäßigen Flüssen vereinigt, münden sie im Hintergründe der Hafenbuchten, deren sumpfiges Gestade von einem undurchvringlichen Pflanzengewirre bedeckt ist. Nur schmale Wasserarme, gerade breit genug, daß ein Boot sie benutzen kann, ziehen sich netzartig durch den feuchtheißen Wald, dessen Laubkronen an manchen Stellen den Flußarm domartig überwölben und jede Aussicht hindern. Erst mehr landauf lichtet sich das Grün; die morastigen Ufer werden fester, und schneller plätschert uns der Bach entgegen, der bald durch Felsen und Klippen zu kleinen, landschaftlich überaus reizenden Fällen ge­nötigt wird.

Wir sind jetzt im Bereiche der Brotfruchtbäume, an die sich nach der Höhe zu ein anderer Pflauzengürtel reiht, der wertvolle Zimmerhölzer ent­hält. Nun folgen ausgedehnte Grassluren, die sich gut zur Viehzucht eignen.

Äolonial-Lesebuch. 12