Druckschrift 
Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
Seite
175
Einzelbild herunterladen
 

ansteigenden Fuße aus den Sümpfen, in denen die Mangroven wachsen. So fehlt dort eigentlich alles ebene Land zwischen den Bergen und der Küste.

Bei hoher Flut scheinen die meisten Mangroven als einfache Stämme aus dem Wasser aufzusteigen, welches das von den Wurzeln gebildete Ge­flecht gänzlich verdeckt. Dann herrscht in diesem Walde tiefe Stille, die nur selten unterbrochen wird durch das krächzende Geschrei eines glänzend blauen Eisvogels, der vom Ruderschlage erschreckt vor uns auffliegt oder vielleicht auf einen Fischschwarm niederstößt, den die reißende Strömung der steigenden Flut unter seinem Sitze vorbeigeführt hat. Eine mit breitem Rnderschwanze versehene Wasserschlange läßt sich schlafend mitten im Strome einhertreiben. Wenn aber allmählich die Ebbe den sumpfigen Boden des Waldes trocken zu legen beginnt, dann erhebt sich ein ganz anderes Leben zwischen den Wurzeln der Bäume wie in ihren Zweigen, in den Strömen wie auf den kleinen freien Plätzen in den Teilungswinkeln der Kanäle.

Mitunter finden sich auch künstlich gelichtete Flächen im Walde. Auf solchen, jetzt halb trockenen Stellen lassen sich nun, von allen Seiten herbei eilend, große Reiher nieder, die mit ihren langstelzigen Beinen zwischen den Wurzeln einherstolzieren und nach allerlei Würmern suchen, die zu Tausenden aus ihren Löchern hervorkommen. Laut knackende Töne bringt hier ein kleiner Krebs hervor, indem er die Glieder seiner dicken Scheren kräftig gegeneinander schlägt. Die in den schönsten Farben prangenden Telegraphen­krebse sitzen vor dem Eingang ihrer Wohnungen und bewegen ihre riesigen Zangen beständig auf und nieder, als wollten sie ihre Freunde zum Besuche herbeirufen. Zierliche Schnepfen und Bachstelzen laufen eilig und emsig suchend von Ort zu Ort, und eine Unmasse von Schnecken verlassen ihre Löcher und Spalten, um sich ebenfalls eine Zeitlang am hellen Sonnenlicht und in reiner Atmosphäre zu erfreuen. Große, räuberische, auf dem Lande lebende Krabben begeben sich nun in dieses Labyrinth, um nach den Schnecken zu suchen oder die im Schlamm versteckten Muscheln mit ihren mächtigen Scheren zu durchbrechen. Auch der Mensch wetteifert mit ihnen im Suchen nach den wohlschmeckenden Schaltieren, bis die zurückkehrende Flut allein Leben vorübergehend wieder ein Ende bereitet. P^f ^ ^ Semper.

18 . ksÜL ncick äsn Palau-Illlslii.

Am 8. November 1905 wurde die Palaugruppe abends erreicht. Am 9. landete ich auf der Insel Korror und blieb dort bis zum 16., während der Schuner nach dem Norden der Gruppe fuhr, um dort Waren zu löschen. Die politischen Verhältnisse wurden von dem Stationsleiter Winkler als wenig erfreulich bezeichnet. Besonders setzt die Bevölkerung seinen Maßnahmen zur Vernichtung der noch nicht übermäßig herrschenden Schildlauskrankheit einen hartnäckigen stillen Widerstand entgegen. Das einzige, was verlangt wird, besteht in dem Abschlagen und Verbrennen der befallenen Blätter, einer Arbeit, die nicht länger als eine Stunde wöchentlich in Anspruch nimmt; aber auch das wird nicht getan. Dazu gesellt sich eine Wühlerei der einfluß­reichen Zauberer, der sogenanntenKalis". Meine früheren Wahrnehmungen