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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
Seite
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Stationsleiter die einzelnen Dörfer für je einen bestimmten Teil des Weges verantwortlich machte. So entstand in fünf Jahren in einem Lande, in dem die Bewohner der einzelnen Dorfschaften wegen ihrer gegenseitigen Feindselig­keiten völlig vereinzelt, ohne irgend eine Spur gemeinsamer Verbindung im Busche lebten, eine breite Fahrstraße, auf der man ohne Gefahr bis 100 kiu fahren und darüber hinaus bis 180 koa reiten kann. Unsere Fahrt hatte als Zweck die Einziehung der in diesem Jahre zum ersten Male geforderten Kopfsteuer von fünf Mark für jeden Erwachsenen, der nicht einen Jahres­vertrag als Regierungs- oder Pflanzungsarbeiter auszuweisen hat. Willig kamen die noch Saumseligen mit ihren Dorfältesten an und erlegten das Geld, das sie durch den Verkauf von Kopra und Taro an die längs der Ostküste sitzenden Pflanzer oder Händler erwerben. So kassierten wir auf dieser Fahrt allein 1700 Mark ein; im ganzen hat Neu-Mecklenburg schon 17 000 Mark bei diesem ersten Versuche der Steuererhebung aufgebracht.

Der Weg an der Ostküste führt durchweg durch gehobenen Korallen- kalk, welcher z. T. durch Humus oder Korallensand überdeckt ist. Der Strand­gürtel ist von beträchtlicher Breite und wird von den vom Schleinitz-Gebirge kommenden Bächen und Flüssen durchzogen; ihren Mündungen gegenüber befinden sich die schmalen Passagen in dem die Küste begleitenden Strand- riff, die jedoch nur bei ruhigem Wetter zu gebrauchen sind. Die Schiffe sind meist gezwungen, auf offener Reede zu ankern und häufig wegen der heftigen Brandung außerstande, die bei den Händlern und Pflanzern ange­sammelte Kopra zu löschen. Daher ist die Landverbindung nach Kawieng doppelt angenehm, zumal da hierdurch der erste Schritt zum Bau einer Klein­bahn gemacht ist.

Soweit wie in Neu-Mecklenburg die Straße gebaut ist, ist der Verkehr mit den Eingeborenen völlig gefahrlos. Ebenso wie im Osten ist auch an der Westküste eine Straße angelegt; zu einem Überschreiten der Gebirge des Inneren fehlte bisher die Zeit.

Aus Brennecke: Aus dem Bismarck-Archipel. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde. 1907

17. pklciliren- und ^ierlebon an der Kälte von palau.

Wir fuhren bei Hochwasser über die nun gänzlich bedeckten inneren Riffe ziemlich nahe an der Küste entlang; überall ist sie von einem Saume von Mangroven umgeben. Mitten aus dem plätschernden Wasser steigen zahllose gerade, dünne Stämme bis zur Manneshöhe empor und breiten sich dann plötzlich aus in eine Krone unregelmäßiger Äste mit saftigen und glänzend grünen Blättern. Ihre Wurzeln ragen teilweise über das Meer empor als dünne, wirre Gebilde, die von der Ferne betrachtet wie Kegel von regellos angehäuften Ruinen aussehen. Zwischen ihnen erheben sich abgestorbene Stämme oder spitz und steif emporragende junge Bäume, von deren Zweigen senkrecht dem fruchtbaren Naß zustrebende Luftwurzeln herab­hängen. Dieses Dickicht scheint dem Auge nur schmal zu sein; aber folgt man einem der vielen labyrinthisch sich darin verteilenden Kanäle, so erstaunt man über seine Ausdehnung. Überall ziehen sie sich weit in das Land zwischen die Hügel hinein, und diese entspringen fast immer mit ihrem steil