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ein Gewitter ist der Losbruch des Nordwestmonsuns, wenn der Himmel ringsum mit grauen Wolken verhüllt ist, und der Sturm und Regen Tage und Nächte ohne Unterbrechung anhält. Mit gewaltigen Zorne stürmt er in die dichten Laubkronen und zerrt sie hin und her und reißt ihre Blätter ab. Morsche Äste und Zweige, mit prächtigen Schmarotzerpflanzen geschmückt, fallen dumpf dröhnend herab, Baumkronen brechen, Bäume werden entwurzelt und hauen sich dröhnend beim Falle in den Boden. Dabei herrscht ein Getöse, Sausen und Rauschen, daß man in dem allenthalben herrschenden Aufruhr kaum weiß, wohin sich wenden. Eine Unzahl Bäume fällt so dem ersten Anstürme des Nordwests zur Beute. Aus dem wilden Gewirre gestürzter Bäume ragt hier und da ein kronenloser Stamm hervor, an dem zerfetzt die Schlingpflanzen herabhängen. Dazwischen prasselt unaufhörlicher Regen hernieder und macht die Fußpfade zu Pfützen. Wer nicht gerade vorn Orkan überrascht wird, und wen nicht dringende Geschäfte treiben, der wagt sich nicht in den Urwald, wo alsdann die Natur in Aufruhr ist und der Tod von allen Seiten droht. Nach Tagen und Wochen langer Stürme sieht es im Walde wie auf einem Schlachtfelde aus. Bäume und Äste liegen kreuz und quer übereinander gebettet und versperren den Weg. Doch die Wunden vernarben schnell. Ein Monat genügt, um das Totenfeld wieder zu beleben, ein Beweis von der unversiegbaren Kraft der tropischen Natur.
O. Röscher.
14. Der Kcilucir.
Der Kasuar ist über ganz Baining verbreitet, und zwar nicht nur in den bewaldeten Ebenen und auf den Bordeigen, sondern auch auf den höchsten Gipfeln kann man seine Spuren verfolgen. Sein gewöhnlicher Aufenthaltsort ist der dichte Busch; die Grasflächen meidet er, da er in letzteren seine Nahrung nicht findet und auch der Sonne zu sehr ausgesetzt wäre. Über Tag, wenn die Sonne hoch steht, sieht man ihn selten. Am häufigsten begegnet man ihm des Abends und in der Frühe. Er schreitet meistens langsam, bedächtig und gebückt dahin. Mir ist es schon vorgekommen, daß ein Kasuar einige Meter vor mir über den Weg schritt, ohne mich zu bemerken. Sieht er sich aber beobachtet, so steht er mit hoch aufgerichtetem Halse fast eine Minute unbeweglich, betrachtet stolz den Menschen, stößt dann plötzlich eigenartige dumpfe Schreie aus und flüchtet in das Dickicht. Ich habe oft Gelegenheit gehabt, Kasuare anzutreffen, doch habe ich niemals feststellen können, daß er in „Trupps" von 3—7, wie behauptet worden ist, umherstreift. Gegen 200 Kasuare, die ich während meines neunjährigen Hierseins im Walde beobachtet habe, begegneten mir einzeln. Der Kasuar legt seine zwei bis drei großen grünen Eier am Fuße von Bäumen mit großen Strebewurzeln. Zum Nestbau gebraucht er nur etwas Reisig. Während der Brutzeit erlegen die Eingeborenen manchen Kasuar. Die Eier öffnen sie an beiden Enden, blasen den Inhalt auf ein Blatt und kochen ihn. Die Eierschalen werden beim Tanze zum Schmucke der Lanzen gebraucht. In Nord- und West-Baiuing werden die Kasuare meistens mit Hunden aufge- trieben und mit Speeren getötet. Die Kasuarjagd ist gefährlich und wird deswegen nur von solchen ausgeübt, die besonders geschickt in der Hand-