Druckschrift 
Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

163

Die Zauberei ist auf der Gazellchalbinsel weit verbreitet. Sie wird von den Geistermännern ausgeübt, welche ihre Kunst geheim halten und auf ihre Verwandten vererben, auch wohl andere gegen Bezahlung in sie ein­weihen. Der Hauptzweck der Zauberei dürfte wohl der sein, Muschelgeld zu erwerben. Die Zauberer lassen sich ihre Künste, welche sowohl angewendet werden, um Personen zu schädigen und zu töten, wie um Krankheiten zu heilen, teuer bezahlen.

Alle Sterbefälle, in denen nicht die Todesursache auf der Hand liegt, wie gewaltsame Tötung, Ertrinken oder dergleichen, sind überhaupt nach Kanakerglauben auf Zauberei oder Vergiftung zurückzuführen.

Andere Zauber werden gebraucht, um Gegnern Schaden zuzufügen. So gibt es nach Kanakervorstellungen eine große Anzahl von Personen, welche nach Belieben Regen machen und ihrem Feind zusenden können.

Weit verbreitet ist auch der Aberglaube, daß zurückgelassene Gegen­stände, sogar eine Fußspur im Sande, von den Feinden benutzt werden können, um einem Schaden zuzufügen. Der zurückgelassene Gegenstand wird mit einem aus Blättern und anderen Pflanzenteilen hergestellten Zauber zu­sammen unter Beschwörungsformeln begraben. Man glaubt, daß diese Zauberei Krankheit und selbst den Tod des Betroffenen zur Folge haben kann.

Es gibt Zauber, um die Fische von dem Fischkorb eines Feindes ab­zuhalten, und als Gegenstück dazu Zauberformeln, welche vor dem Auslegen des Fischkorbs über denselben gesprochen werden, um den Fischzug erfolgreich zu machen.

Eigentümlich ist ein bemalter Stock oder Pfosten, welcher dazu dient, um Gläubiger von dem Lande des Schuldners abzuhalten.

Aus Schnee,Bilder aus der Südsee".

10. Krieg.

Auch bei den Stämmen der Gazelle-Halbinsel fehlen die Kriege nicht. Alle inneren Streitigkeiten treten zurück, wenn es gilt, einen anderen Stamm anzugreifen. Bei drohender Gefahr ertönen die dumpfen Holztrommeln, und alle Krieger versammeln sich um ihre Anführer. Eine allgemeine Wehrpflicht besteht nicht. Es bedarf aber auch keiner Verpflichtung, um dem Kanaken die Waffen in die Hand zu drücken. Die Notwendigkeit, sich selbst, sein Muschelgeld und seine Familie zu verteidigen, und andererseits die Lust au Raub, Mord und Menschenfresserei sind Beweggründe, denen kein Schwarzer im Lande widersteht. Der Kriegszug ist sein höchstes Vergnügen, Grausam­keit seine größte Freude.

Dem feindlichen Stamme wird keine Kriegserklärung zugesandt. Kein Kanake gibt sich dazu her, eine solche Botschaft zu überbringen; denn die Feinde würden ihn niederschlagen und braten, damit er als erster Sieges­schmaus diene. Auch hätte die Kriegserklärung für die Angreifer nur üble Folgen, da die Gegner sich zum Kampfe rüsten könnten, was unter allen Umständen vermieden werden muß. Die Eingeborenen der Küste der Gazelle- halbinsel sind viel zu feige, den offenen Kampf mit ihren Feinden aufzu­nehmen, wie denn überhaupt mutiges, unerschrockenes Auftreten äußerst selten

ii*