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Busch und Gras freien, von einigen Bäumen bestandenen Platze sich niederlassen und gegenseitig Nahrungsmittel, wie Taro, Iams, Fische austauschen oder gegen kleine Endchen aufgereihten Muschelgeldes verkaufen und dabei einen ärgeren Lärm als unsere heimischen Marktweiber entfalten, hocken die Männer stumpfsinnig, aus kurzen Tonpfeifen rauchend, in der Nähe.
Nun klettern wir wieder auf steilen Pfaden hinab zur Küste, an der sich der breite von der deutschen Verwaltung angelegte und von den Eingeborenen auf ihre Anordnung gebaute Weg rings um die Glanchebucht herumzieht. Die Zeit ist noch gar nicht fern, da alle diese Eingeborenen, die jetzt friedlich nebeneinander leben, sich gegenseitig totschlugen und auffraßen.
Aus Schnee: Bilder aus der Südsee.
§. Von Aberglaube und Zauberei.
Genau bekannt sind nur die Vorstellungen der Küsteneingeborenen auf der Gazellehalbinsel in Neu-Pommern. Sie haben im wesentlichen den Inhalt, daß gewaltige Naturereignisse, wie Stürme, Erdbeben usw. durch mächtige Geister verursacht werden, und daß außerdem die Natur von einer Anzahl kleiner Geister und Gespenster wimmelt. Der auf der Gazellehalbinsel dicht bei der kleinen Insel Matupi gelegene Vulkan, welcher 1878 ausbrach, ist der Sitz eines bösen Geistes Kaie und wird deshalb selbst Kaie genannt. Auch die flache Vulkaninsel in der benachbarten Blanchebucht bei Dawann, welche im gleichen Jahre zur Zeit des Vulkanausbruches zum Schrecken der Eingeborenen aus dem Meere emporwuchs, ist nach der Vorstellung der letzteren vom Kaie dorthin gebracht worden.
Neben diesen mächtigen bösen Geistern gibt es eine Menge von selbständigen bösen Geistern oder Gespenstern Verstorbener, welche umherziehen und insbesondere die Eingeborenen oder Kanaker ängstigen, ihnen Schaden zufügen und bisweilen selbst sie töten. Als Aufenthalt der Geister der Verstorbenen werden einzelne kleine Inseln oder Plätze im Innern gedacht. Aber nur die Geister von Leuten, welche im Leben Muschelgeld (gewisse Muscheln vertreten hier nämlich die Stelle des Geldes) besessen haben, können dorthin gelangen. Die Seelen unvermögender Leute und besonders die von Sklaven müssen traurig und ruhelos umherirren. Die Sternschnuppen werden von den Eingeborenen für fliegende Kanakerseelen gehalten, die sich zu den Erholungsplätzen der Verstorbenen begeben. Die Toten werden beerdigt, wobei man ihnen etwas Muschelgeld mit ins Grab legt.
Während die überwiegende Mehrzahl der Geister bösartig ist und darauf ausgeht, die Menschen zu quälen, kommen vereinzelt auch gute Geister vor, die den Kanakern Gutes erweisen. So gibt es einen Geist, der auf hohen Bäumen wohnt und bisweilen herabsteigt, um dem Begünstigten im Traum Enthüllungen zu machen über eine neue Art der Zauberei oder einen neuen Tanz oder ähnliches. Der also Begnadigte benutzt dies angebliche Geister- wisseu dann gewöhnlich, um gegen Zahlung von Muschelgeld anderen seine Zauberkünste zur Verfügung zu stellen oder sie mit der durch den Geist übermittelten Erfindung bekannt zu machen.