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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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7. Das tciglicke lieben ciuk 6en pklanrungen 6es tiailer- V?jlkelnilcin6e8.

Nachdem sie sich in aller Frühe angekleidet und hastig eine Tasse Tee, Kafsee oder Kakao geschlürft haben, gehen die Pflanzungsbeamten bei Tages­grauen hinaus in die Pflanzung, wo sich inzwischen beim ersten Scheine des Lichtes die Arbeiter auf dem Sammelplätze zur Morgenmusterung versammelt haben. Auch sie haben sich durch ein Frühstück von Reis oder Erdfrüchten gestärkt. Die europäischen Beamten halten, die meisten zu Pferde, bei ihren Abteilungen und lassen sich von den farbigen Aufsehern abteilungsweise Be­richt über die Zahl der erschienenen Arbeiter, sowie über die Gründe des Ausbleibens der nicht erschienenen erstatten. Der europäische Heilgehilfe er­scheint mit den Verbandsmeistern, d. i. geschulten farbigen Heilgehilfen, ver­sieht die Kranken mit Medizin und läßt Wunden, die immer bei einer Anzahl von Leuten vorhanden sind, frisch verbinden. Gegen 6 Uhr erscheint der Administrator, nimmt die Berichte entgegen und ordnet die Arbeit des Tages an. Nachdem dies geschehen, rücken die einzelnen Abteilungen auf ihre Ar­beitsplätze ab. Punkt ti Uhr verkündet ein dreimaliges langgezogenes Horn- signal, das von den übrigen Wächtern, welche nach der Lage der Europäer­häuser über die Pflanzung verteilt sind, sofort aufgenommen wird, den Be­ginn der ernsten fortlaufenden Tagesarbeit. Die europäischen Beamten geben in ihren Bezirken Anweisungen, stellen die einzelnen Arbeiter an (beim Tabak­bau erhält jeder Chinese immer ein und dasselbe Feld zugewiesen), bestimmen bei dem sogenannten Tagesakkord die abzuarbeitenden Strecken, die Zahl der auszusetzenden Pflanzen und anderes.

Auch in dem kaufmännischen Betriebe heißt es: Morgenstund hat Gold im Mund! Punkt 6 Uhr öffnen sich die Tore des Kaufladens, in dem die Waren zum Verkauf oder zur Abgabe an die einzelnen Abteilungen be­reitliegen. Arbeiterköche empfangen zur Herrichtung der Mahlzeiten den für sie bestimmten Reis und andere Nahrungsmittel, die Hausjungen holen unter Abgabe von Bestellzetteln die von ihren Herren gewünschten Gegenstände; eine Anzahl Leute, z. B. die Boten der Missionare kaufen für Geld ein. Gegen 8 Uhr ist der erste Ansturm befriedigt und auf dem Felde die Arbeit verteilt, und nun kommt die Frühstücksstunde, die der bisher nur notdürftig befriedigte Magen gebieterisch verlangt. Nach dem Frühstücke, das gewöhn­lich aus Brot oder Zwieback, Schinken, Wurst oder kaltem Fleisch, Käse und Früchten besteht, erledigt der Verwalter einige Eintragungen in die Bücher und Arbeiterzahllisten und andere Aufzeichnungen und macht dann, immer zu verschiedener Zeit, zu Fuß einen Aufsichtsgang durch sein Arbeitsgebiet. Der Kaufmann kehrt in sein Dienstzimmer zu seinen Büchern zurück. Um 11 Uhr ertönen wiederum drei Hornsignale; sie rufen die Arbeiter zur Mittagspause, die bis 1 Uhr währt. Alsdann beginnt wiederum die Arbeit und dauert bis 6 Uhr. Der Europäer speist gewöhnlich um 12 Uhr zu Mittag. Sein Mittagessen, meist von einem chinesischen Koche schmackvoll zubereitet, besteht aus Suppe, Fisch, frischem Rind- oder Schweinefleisch, Huhn oder Erträgnissen der Jagd, wie Tauben u. a. Auch Hammelfleisch ist ab und zu als angenehme Abwechslung zu haben. Als Pflanzenkost werden Kartoffeln, Reis, Iams, Taros verwendet; ferner gibt es aus der stets frisch aus Europa oder Australien bezogene Saat selbstgepflanzte Gemüse. Kali-