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3. Ncilurkreuäeii.
Mit welcher Wonne nahm ich am Morgen nach meiner Ankunft das Schmetterlingsnetz zur Hand und ging auf die Jnsektenjagd I Die Sonne schien fo wunderbar schön golden vom blauen Himmel herab, es war noch
nicht zu heiß. Der Tau glänzte und glitzerte noch überall an Busch und
Halm — ja, ich stand wirklich und wahrhaftig auf dem Boden Neu-Guineas und durfte leibhaftig in seinen Wäldern umherschweifen! Das Herz schlug mir vor Spannung und Erwartung, und ich durchlebte einige Stunden so reiner, erhabener Freude, daß die Erinnerung daran mich noch im späten
Alter warm und wohltuend durchfluten wird. Was geht aber auch über
den Genuß, den ein echter und gerechter Sammler und Naturfreund beim Betreten eines neuen, unbekannten Gebietes empfindet!
Freudefunkelnden Auges sah ich an den Halmen und Blättern die noch halb schlaftrunkenen, wunderbar schön gefärbten Arten der kleinen östlichen Bläulinge sitzen; einzelne schwirrten schon, im prachtvollsten metallischen Blau schillernd, hoch oben in den dunkelgrünen Baumkronen herum; überall flog und wimmelte und schwirrte es von Insekten, alle in den prächtigsten Farben glänzend, wie denn überhaupt nicht bloß die Vögel, sondern auch die Insekten Neu-Guineas zu den schönsten und reichst gefärbten der Welt gehören.
Ich hatte Glück an diesem Tage, indem ich auf diesem einzigen kurzen Ausflug eine solche Blumenlese der Tierwelt aller Ordnungen, die Neu- Guinea bieten konnte, zusammenfing oder wenigstens zu Gesicht bekam, wie kaum mehr später. Die fast handgroßen Prachtjuwelen der Schmetterlingswelt flogen zahlreich um mich herum; der azurblaue Ulysses, der schwarzweiße Ormenus, der schwarzgelbe Euchenor, und zuletzt hatte ich noch das Glück, den größten aller Tagschmetterlinge, ein Weibchen des berühmten goldgrünen Priamus zu erbeuten, als es langsam, einem mittelgroßen Vogel vergleichbar, durch die Büsche schwebte. Selbst mein malaiischer Diener und Fänger Saman, den ich schon in Sumatra zum Schmetterlingsfang angelernt und mit nach Neu- Guinea genommen hatte, und der auch mit Leib und Seele Schmetterlingsenthusiast geworden war, zeigte sich entzückt über die vielen neuen Formen und Farben, so daß er einmal über das andere in laute Ausrufe des Entzückens ausbrach. An jedem Busch, ja fast an jedem Blatt klebte ein kleines, grünes Laubfrösch- lein oder eine kleine, weißschalige Schnecke, ein mir ganz unerwarteter Anblick, da Frösche und Schnecken in der bislang von mir bewohnten Tiefebene Sumatras zu den Seltenheiten gehörten.
In den Baumkronen wiegten sich bunt und grell gefärbte Vögel: Eis- vögel hauptsächlich, Tauben und einige Papageien. Ich hatte sogar das Glück, den sonderbaren, großen schwarzen Kakadu einmal ganz langsam und niedrig über den Weg fliegen zu sehen.
Entzückt und hochbefriedigt von diesem ersten kurzen lehr- und erfolgreichen Ausflug kehrte ich an Bord zurück.
Nach Hagen „Unter den Papuas".