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2. Der Papua im Norösn 6e8 Kailer.Völlkielmslamiss.
Es gewährt einen eigenartigen Genuß, Länder zu besuchen, die bisher von der Berührung mit der alles gleichmachenden Außenwelt so vollständig abgeschlossen waren, wie Neuguinea. Ja, in dieser Hinsicht gibt es überhaupt kein Land auf unserem Planeten mehr, das mit diesem dunklen Kontinent der Südsee verglichen werden könnte. Wohin ich auf meinen Reisen bisher gekommen bin, im Inneren Südamerikas, in den großen einsamen Gebieten der Hudsonbai, selbst in dem so lange verschlossenen Korea, fand ich überall, daß die Eingeborenen bereits Gegenstände besaßen, die von Weißen stammten; überall kannten sie bereits den Wert des Geldes und wußten etwas von der Außenwelt. Nirgends ist es mir vorgekommen, daß Menschen ein ihnen gereichtes Silberstück abgelehnt hätten. Die Eingeborenen Neuguineas aber, selbst auf den Stationen der Neuguinea-Gesellschaft und in den christlichen Missionen an den Küsten, nahmen als Bezahlung für geleistete Arbeit lieber ein Stück gepreßten Tabaks als ein Fünfmarkstück, lieber einen Stofflappen als eine Goldmünze. Der Einfluß der weißen Händler ist nicht über ihren eigenen Grund und Boden hinausgedrungen, und in manchen Dörfern, die unmittelbar an Pflanzungen der Weißen stoßen, fand ich mit Ausnahme von Perlen, Stofflappen, Streichhölzern und vielleicht einem oder dem anderen Eisenwerkzeug nichts, was die Eingeborenen nicht selbst angefertigt hätten. Überall bedienten sie sich noch der Steinbeile, Steinhämmer, der Messer aus Muscheln geschliffen, der Pfeile und Lanzen mit Bambusspitzen, der Lenden- tücher aus Gras oder Baumbast. Die Männer rasieren sich ihr Kinn mit einer scharfgeschliffenen Perlmutterschale, in der Nähe der Haudelsstationen mit irgend einem Glasscherben. Ihre Ackerbauwerkzeuge beschränken sich auf ein Stück Holz, mit dem sie den Boden auflockern, ihre Küchengerätschaften auf ein paar irdene Töpfe.
Dabei stehen diese merkwürdigen Papuaner auf einer höheren Kulturstufe, als man unter diesen Umständen anzunehmen geneigt wäre. Sie bedienen sich ihrer kunstlosen Werkzeuge mit bewunderungswerter Geschicklich- keit, sie bauen sich Häuser mit sehr hübsch entworfenen Verzierungen und Holzschnitzereien, schnitzen aus rohen Baumstämmen die schönsten Boote, bemalen und verzieren sie mit viel Geschmack und wissen auch um die Segelschiffahrt gut Bescheid. Das ist bei den hier herrschenden Monsunwinden keine Kleinigkeit. Wie mir der Missionar erzählte, üben diese Monsune auf das Leben der Eingeborenen großen Einfluß aus. Ist bei Südostmonsun das Meer spiegelglatt und das Wetter klar, dann fahren die Papuaner in ihren Booten von Insel zu Insel, oder wandern auf dem Festlande von einem befreundeten Dorfe zum andern, häufig auch ihre Weiber und Kinder mit sich nehmend. Beim Nordwestmonsun, gewissermaßen ihrem Winter, bleiben die Papuaner gewöhnlich zu Hause und geben sich dem Müßiggänge in Festgelagen und Tänzen hin, ohne daß die Nachtschwärmern in Unsittlichkeit ausarten würde. Sie sind überhaupt eher ein friedliebendes Volk, und Raubzüge nach anderen Dörfern kommen selten vor. Die Ehen werden als unzertrennlich angesehen: dabei ist die Stellung der Frauen keine so schlechte wie bei anderen Völkern, sie haben ihre Rechte und können bei gemeinsamen Dorfangelegenheiten ebensogut wie im Hause mit das Wort führen.
Die Papuaner haben entschieden gute Naturanlagen und Begabung und, wenn sie nicht weiter vorgeschritten sind, so hat dies seinen Grund vornehmlich