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Kreises auf, die Augen rollend, den Kopf wie zum Stoß nach vorn geneigt, immerfort den Boden stampfend, die Saiten rührend und krächzende Laute ausstoßend. Danach entfernte sich der Leopardenfell-Geschmückte, welcher der Hauptvortänzer war, in gerader Linie bis an den gespannt zusehenden Zuschauerkreis und begann den immer auf derselben Stelle seine Verrenkungen ausführenden Schwarzbärtigen zuerst in weitem Bogen zu umkreisen, den er enger und enger zog, bis er ihm wieder kampfbereit gegenüber stand, indem er sich bald stampfend hochaufgerichtet vorwärts bewegte, bald in Kniebeuge die possierlichsten Sprünge um ihn herum ausführte. Es war ein Drehen und Wenden, Wirbeln und dazwischen wieder Grunzen, ein drolliges Hin- und Herspringen vor dem Kampfgenossen, daß die Umstehenden in wahrhaft brüllendes Gelächter ausbrachen. Unser Bursche Hassan legte sich vor Lachen Platt auf die Erde. Das Leopardenfell wippte dabei auf und nieder, und der Schweiß perlte ihm über Brust und Rücken herab. Unaufhörlich schlug er die Saiten der Kinanda, sang, trillerte, ahmte mit komischer Gebärde den dumpfen Klang der Saiten nach, stürzte sich plötzlich wie ein wildes Tier foppend in die dicht gedrängt dastehende, lachende Weiberschar, so daß diese kreischend zurückwich, um dann stampfend und von neuem wirbelnd sein Spiel wieder zu beginnen. Mein kleiner Terrier, der diese Vorführung und vor allem die täppischen Bewegungen der Beinpaare persönlich übel nahm, war ihnen schon ein paarmal etwas unsanft in die Waden gefahren; seine Wut steigerte sich, je toller die Sprünge wurden, die sie ausführten, so daß ich ihn, um weiterem Unheil vorzubeugen, entfernen lassen mußte. Mein Koch tanzte im Hintergründe und wollte sich ausschütten vor Lachen. Eine Stunde etwa hatte ich dem Treiben zugeschaut, da begannen die beiden langsam zu ermatten. Ich beschenkte sie mit ein paar Händen voll Salz und ein paar Hellern, was sie veranlaßte, das schnurrige Spiel zum Ergötzen der Burschen und ihrer Weiber noch eine Weile fortzusetzen. Endlich, unter lautem Getöse entfernte sich der Zug. Wie sie gekommen waren, zogen sie, die beiden Spaßmacher voran, springend und singend wieder in ihr Dorf zurück. Noch lange tönte das Kreischen, Trillern und Singen über die Schluchten herüber, leiser und leiser erklang das Glockengeläut, bis völlige Stille eingetreten war. Trübe hatte sich der Himmel zusammengezogen und dehnte sich regenschwer über uns aus. Der Rungwe hatte sich fest in einen dicken Nebelmantel eingehüllt, und ein paar lose graue Wolkenfetzen schwebten über die dunklen Berge hin, bis sie sich in einem leise sprühenden, unbehaglichen Regen auflösten, dessen kalte Nässe uns ins Zimmer trieb.
Aus der Ostafrikanischen Zeitung.
14. Der Klljmanlllckaro.
Am Dienstag, dem 29. Januar 1907, des Morgens gegen 8 V 2 Uhr befand ich mich mit einer kleinen Karawane auf dem Marsche von Same nach Rimbeni in Deutsch-Ostasrika, im Begriff die Station Moschi im Kilimandscharo-Gebiet zu besuchen. Unser Weg, der uns am westlichen Rande des Pare-Gebirges entlang führte, war nicht übermäßig schön. Einförmig und öde breitete sich die Steppe um uns aus. Man sah nichts als dürres,