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nebeneinander in einer Richtung zur Wasserstelle. Wer ihnen folgt, muß auch darauf gefaßt sein, daß solche Viehpfade zu großen Flußbetten führen, die m der Trockenzeit kein Wasser halten.
Im Anfang der Regenzeit sind besonders in den Flußbetten viele Brunnen trockener als in der Trockenzeit. Es hat zwar geregnet, aber noch nicht genug, um den Grundwasserstand zum Steigen zu bringen. Anfänger jubeln oft über den Eintritt der Regenzeit und erleiden dann doch, besonders im Sandfeld den schlimmsten Durst. Wer es sich irgend einrichten kann, legt eine Durststrecke im Saudfelde „mit dem Regen" zurück und sichert sich Buschleute als Begleiter, die dem Reisenden die gefüllten Flußbetten anzu- geben wissen.
Auch wer nun bereits eine große Kenntnis von all diesen Dingen erlangt hat, befolgt doch die alte afrikanische Regel, zu allen Ausflügen stets einen geländekundigen, zuverlässigen Eingeborenen mitzunehmen. Er hat dann außer einem Führer stets einen Boten, den er absenden kann, sobald sich irgend etwas ereignet.
Stets ist es gut, einen Kompaß bei sich zu führen. Das rate ich besonders dem, der auf Jagd geht oder reitet. Im Jagdeifer vergißt auch der Eingeborene, genau auf die Himmelsrichtung zu achten, und es geschieht dann dem ältesten und besten Führer, daß er sich verirrt und ängstlich wird.
Ein Landeskundiger, der sich in Südwcstasrika veririt hat, versucht, auf seiner eigenen Spur zum Lager oder zum Wohnort zurückzugehen; gelingt dies nicht, io bleibt er an einer Stelle liegen, anstatt planlos umherzulaufen, wie es Neulinge tun. Sobald seinen zurückgebliebenen Freunden die Zeit seines Ausbleibens zu lang vorkommt, werden sie den Verlorenen suchen: er erleichtert ihnen durch sein Liegenbleiben das Finden, während er zugleich seine eigenen Kräfte schont. Daher gibt jeder, der fortgeht oder fortreitet, stets die Zeit an, zu der er spätestens zurückkommen will. Die Sucher dürfen nie vergessen, für den Verirrten Kost und vor allen Dingen Wasser mitzubringen. In der Nacht geht man nicht auf die Suche, sondern macht auf Kuppen in der Nähe des Lagerplatzes ein Feuer an und schießt von Zeit zu Zeit drei Schüsse hintereinander ab.
Um dem Hunger und dem Durst zu entgehen, ist die Kenntnis der eßbaren Feldsrüchte sehr wichtig. Jeder deutsche Einwanderer tut daher gut, sich von den Eingeborenen die eßbaren Beeren, Früchte und Wurzeln zeigen zu lassen. Sie können den, der sie kennt, eines Tages vor dem Hunger- und dem Tursttode bewahren.
Gesundheitlicher Ratgeber für Südivestasrika. Von Dr. Ph. Kühn.
15. Zu 6er lialciliari.
Orkane von ungekannter Gewalt n ögen in verflossenen Erdbildungsperioden den feinen Triebsand der Kalahari zu den riesigen Tünenwällen aufgehäuft haben, die sich zwischen langgezogenen Tälern unaufhörlich vor dem Reisenden auftürmen. Als die Wut der Naturgewalten ausgetobt hatte und das in seinen Grundtiesen aufgewühlte Sand-Meer scheinbar plötzlich erstarrte, haben sich im Laufe der Zeit Kämme und Hänge mit üppigem