101
Gaul. Der Buschmann mußte den Kopf abschneiden, ich saß wieder auf, und wir ritten nach Hause. Meine Leute jubelten wie unsinnig. Ich hätte es auch gern getan, aber ich hatte nichts mehr zu trinken. So verfloß dieser Tag wie alle anderen, und ich weiß heute nicht einmal, ob es ein Sonntag oder ein Alltag war.
Später schoß ich noch zwei Löwen, aber — im Selbstschuß. Das war Zufall oder Glück, aber wenig nervenaufregend. Es kann ja auch einmal schief ablaufen, wenn die Bestie nur verwundet ist, aber man nimmt bei solchen Gelegenheiten seine Hunde mit, die können einem dabei gute Dienste leisten.
Im Ovambolande erlebte ich auch eine Löwengeschichte, an die denke ich aber nicht gern zurück. Ich wollte eine Wasserstelle abspüren und traf kurz davor einen Trupp von fünf Löwen, die wohl dieselbe Absicht hatten. Sie zogen auf 200 Schritt an mir vorbei und verschwanden auf Nimmerwiedersehen im Busch. Vorn war eine alte Löwenmama, dann kamen zwei Junge, so groß wie Pudel, dann ein vorjähriger Sprößling und schließlich der alte Herr. Für einen sicheren Schuß war mir die Entfernung zu weit, als ich mich näher heranbirschen wollte, waren sie aber verschwunden. Auf 100 Schritte hätte ich mit der Gesellschaft sicher angebunden, denn meine Büchse war mit fünf Patronen geladen, und drei hatte ich bloß nötig. Ich hatte also immer noch zwei für alle Fälle.
Im Eisen habe ich Löwen nie gefangen, darüber kann ich also nichts erzählen. Aus: Auf flüchtigem Jagdroß durch D.-S.-W.-Afrika, vom „Wilden Jäger."
14. SLlciiKlLkeimtnjz in OLullck-Züäloektakrikci.
Sehr wichtig ist es für den Reisenden in Südwestafrika, daß er schnell lernt, sich zurechtzufinden. In den weiten Steppen im Norden und Osten und den oft einförmigen Gebirgszügen kann er sich leicht verirren; schon mancher Neuling ist den qualvollen Dnrsttod gestorben.
Ein kundiger Afrikaner unterrichtet sich genau über den Lauf der Sonne, die am Tage die Himmelsrichtung angibt. Bei bedecktem Himmel kann er abends den Sonnenuntergang, weniger gut morgens den Sonnenaufgang, dadurch berechnen, daß er die Mitte der Stelle nimmt, die am Horizonte hell erscheint. Am Tage selbst ist es oft ganz unmöglich, bei bedecktem Himmel die Sonne festzustellen.
Das wichtigste Sternbild ist in Südafrika das Kreuz, das aus vier Sternen besteht, welche die vier Enden eines Kreuzes angeben. Rechts schließt sich ein großer dunkler, gestirnloser Fleck an, den man den Kohlensack nennt. Es ist nun durchaus falsch, wenn man sagt, das Kreuz stehe immer im Süden; und schon oft hat sich jemand verirrt, weil er das geglaubt hat. Dadurch, daß man die beiden Sterne, die am weitesten auseinander stehen, durch eine Linie verbindet, erhält man die Längsachse des Sternbildes. Wenn man nun diese Linie fünfmal nach unten verlängert, so trifft sie genau deu Südpunkt, in dessen Nähe der Südpolarstern steht.
Sehr wichtig für das Zurechtfinden sind die Eisenbahnlinien und die Wagenwege. Der Unkundige muß sich stets vor der Reise genau unterrichten, welche Wege von den eigenen abzweigen, und lernen, einzelne ausbiegende