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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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gerader Linie auf uns zuhält. Er kann von den Vögeln noch nicht bemeikt worden sein, die jetzt plötzlich in wilder Flucht, wie über den Erdboden dahinfliegend, davon stürmen. Jede Sekunde ist kostbar. Wir werfen uns auf die Pferde und jagen in vollem Galopp auf die Strauße zu, die sich pfeilschnell nähern, dann abw, aufgeschreckt durch den Lärm der heran- brausenden Reiter, eine sekundenlange Zeitspanne stutzen, um in neuer Rich­tung, einen gewaltigen Haken schlagend, gerade vor uns her die Flucht fort­zusetzen.

Der kurze Augenblick des Stutzens bedeutete für uns den Erfolg der Jagd. Herunter vom Pferd, das Gewehr an die Backe, und Schuß um Schuß. 200 in nur trennen uns von dem Wilde, das wie der Sturmwind vor uns herfegt, 200 in, die sich in Sekunden auf 4, 6, 800 in erweitern, so daß wir das Feuer einstellen müssen.

Mein eingeborener Diener, ein Bastardjunge aus Rehoboth, ist der erste auf dem Gaul und ruft mit Jauchzen:Herr, eine gute Jagd, zwei Vögelstrauße liegen I"

Langsam reiten wir heran und haben, als wir uns dem bereits ver­endeten Wild nähern, alle Mühe, die Pferde zu beruhigen, die vor den toten Körpern im wallenden Federkleide scheuen. Wir satteln ab und lassen die Pferde weiden, für uns aber beginnt die mühevolle Arbeit des Auslösens der prächtigen Federn, die geraume Zeit in Anspruch nimmt. Dann über­lassen wir uns im Schatten einiger weitverzweigter Dornbüsche der Ruhe, und spät am Abend erst reiten wir in die Schlucht hinein, wo uns die Kameraden aus Omaruru bereits am lodernden Wachtfeuer erwarten.

Kurd Schwabe.

13. liöuenjagff.

Nördlich vom Kunene, in den unendlichen Weidegründen zwischen Chella- gebirge und Elefantenfluß gibt es noch außerordentlich viel Löwen. Es ver­ging keine Nacht, wo ich nicht das Vergnügen hatte, ihrem nervenerschüttern- den Konzerte zu lauschen. Ich gab mir damals die größte Mühe, mit ihnen im Felde zusammenzutreffen, aber alle Versuche waren vergebens.

Von Wild war dort besonders zahlreich das Quagga vertreten, und gerade das Fleisch dieses Wildpferdes ist von den Löwen besonders geschätzt. Wo sich viele Quaggas aufhalten, wird man auch immer Löwen antreffen. Ich fand zu verschiedenen Malen die frischzerrissenen und halbverzehrten Reste von Quaggas aber, obgleich ich jedesmal sofort in der vorsichtigsten Weise einen Selbstschuß anlegte, gelang es mir damals doch nicht, auf diese Weise einen Löwen zu strecken. Es ist dies die gewöhnlichste Art, wie z. B. die Buren ihre Löwenfelle erbeuten.

Die viel empfohlene und meist vorgezogene Jagdart, bei einem ange­bundenen Gaul oder einer kläglich meckernden Ziege in den Ästen eines Baumes wohl versichert und geborgen, in Mondscheinnächteu auf Löwen zu Passen, war nicht nach meinem Geschmack, und ich habe sie nicht ausgeführt. Das ist kein vornehmes Weidwerk!

Meinen Hauptschlag sollte ich machen, als ich es am wenigsten ver­mutete. Ich jagte damals im Kaokofelde nordwestlich der großen Salzpfanne,

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