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Nördlich von Okahandja führt der Weg durch herrliche waldreiche Weidegründe. Allenthalben, auf und neben dem Wege, stehen Wasserlachen, ein Zeichen, daß die Niederschlage nicht so schnell abzufließen vermögen, sondern großenteils zurückgehalten und vom Erdboden aufgesogen werden. Wir gelangen nach einem Ritt von 47 irrn nach Otjiamongombe. Hier haben wir eine Ansiedlung vor uns, die wie ein reicher deutscher Bauernhof aussieht und uns anheimelt. Durch das Wehen der deutschen Fahne war sie schon von ferne angekündigt. In einem großen wohlnmzäunten Vierecke liegen wie bei jenem die Wirtschaftsgebäude: Vorratshäuser, Ställe, darunter Pferde- und Schweinestall und andere. Inmitten des Hofes, welcher aufs sauberste gehalten wird, steht das Wohnhaus, groß und schön gebaut, mit schattiaer Veranda in der Mitte der Vorderseite, zu der eine schöne Allee von Maulbeerbäumen führt. Eine Pumpe sorgt für das nötige Wasser für Haus- und Viehwirtschaft. Eine außerhalb des Gehöftes stehende andere Pumpe bewässert das bepflanzte Land, insbesondere den wunderschönen Gemüsegarten.
„Seit wann besteht diese Ansiedlung?" ist die erste Frage, die sich uns beim Anblick dieser Muster-Heimstätte aufdrängt. Noch nach dem großen Kriege stand hier nur ein sehr einfaches Haus, das einem Händler gehörte. Bald darauf kaufte ein ehemaliger Schüler der Kolonialschule in Witzen- hausen, Herr H., das Haus und den Platz, und alles, was wir hier sehen, ist seit jener Zeit entstanden. Das alte Haus ist zum stattlichen Wohnhause ausgebaut worden. Daß aber all das Schöne, was wir hier sehen, nicht nur für das Auge da ist, das zeigt uns ein Rundgang auf der Farm unter Führung ihres Besitzers. Er zeigte uns etwa 50 prächtige Rinder und 200 Siück Kleinvieh. Ursprünglich waren es 1000 Stück gewesen, doch hatte der Besitzer nach und nach an andere ehemalige Kolonialschüler, die sich in der dortigen Gegend niedergelassen haben, Vieh abgegeben. An schwarzen Arbeitern hat Herr H. genug. Trotz des Arbeitermangels ist es ihm gelungen, eine genügende Anzahl Leute zu erhalten. Viele liefen ihm aus dem Felde zu und bleiben gern bei ihm, da er sie richtig zu behandeln versteht. Herr H. ist mit seinen bisherigen Erfolgen sehr zufrieden und sieht der Zukunft mit besten Hoffnungen entgegen.
Mit ihm waren noch vier seiner Witzenhäuser Studienfreunde nach dem Hererolande gezogen, und alle hatten anfangs bei ihm gewohnt. Einer dieser Freunde, Herr L., hat scbon seit drei bis vier Monaten sein Gehöft, 8 kirr süvlich von dem H-scheu Besitztum bezogen. Ihm gilt unser nächster Besuch.
Der Weg führt durch die gleiche Landschaft wie vorher: prächtiges Weideland mit dichten Baumbeständen, wie mau sie in Südafrika sonst nirgends kennt. Darunter ist der Kameldornbaum (Giraffen-Akazie), der König der südafrikanischen Bäume, welcher mit seinem mächtigen, knorrigen Gesüge des Stammes und der Äste mit unserer deuischen Eiche wetteifert, an Härte des Holzes sie aber bedeutend übertrifft, einer der stattlichsten Bäume unserer Erde. Da — was ist das? Ein Schneefeld? Vor uns liegt ein ebenes Stück Land, etwa 1 «glcirr groß, schneeweiß und die Augen blendend im Widerschein des Sonnenlichtes; und gegen dieses blendende Weiß heben sich die Stämme