Schornstein kam ein alter Topfdeckel, mit einem Backstein beschwert, um die Hitze darin zu halten.
Im Hause war es sehr gemütlich. Alles neu und behaglich, eigenhändig und mit Sorgfalt und Liebe eingerichtet. Das Eßzimmer war unser besonderer Stolz. In der einen Ecke hatte mein Mann einen Kamin gebaut, der richtigen Zug hatte. An kalten Abenden saßen wir in bequemen Stühlen davor, sahen in die knisternde Glut und dachten der fernen deutschen Heimat.
Aus dem Buch von Frau Margarete von Ecken breche r, „Was Afrika mir gab und nahm".
9. Lin Leluck bei Farmern.
Am 13. Juli 1906 besuchte ich die Ansiedlung Osona bei Okahandja. Nach kurzer Wanderung von Okahandja kam ich an das Haus des ersten Ansiedlers. Als ich, noch weit entfernt von dort, bemerkt wurde, kamen mir schon zwei kleine Kinder freudig entgegengelaufen. Meine Fragen wurden gut in deutscher Sprache beantwortet, ich erfuhr daher bald, daß der Vater dort am Berge Steine zum Hausbau brach, und der ältere Bruder diese Heranfuhr. Inzwischen waren wir zum Hause gekommen; ein in der Tür stehendes Mädchen von vielleicht 19 Jahren wurde mir stürmisch als ihre Schwester vorgestellt, ich wurde freundlich gut deutsch begrüßt, und bald
hatten wir uns recht viel zu erzählen. In kurzer Zeit wußte ich, daß sie zehn Geschwister seien, alle in Südafrika in der Kapkolonie geboren. Dort habe der Vater in der Ebene eine Farm gehabt, es hätte ihnen aber unter den Engländern nicht mehr gefallen, und deswegen seien sie nach Deutsch- Südwestafrika gekommen. Die älteste Schwester sei in der Nähe verheiratet, ich sollte sie ja auch besuchen, sie hätte ihr Haus an diesem Wege bei Kilo- meter Sieben. Hatte ich mich bisher schon über die gute deutsche Sprache dieser Kinder Afrikas gefreut, so war ich über die Bezeichnung Weg und Kilometer geradezu erstaunt; denn das Wort Weg hatte ich nicht oft dort gehört. Das Burenwort „Pad" schien für moderner und vornehmer zu gelten; ja ich habe gehört, daß Deutsche, die den vierten Tag in Afrika
waren, nur von Pad sprachen, und da sagt so ein Afrikanerkind, das Deutschland nie gesehen hatte, Weg und Kilometer!
Während des Gesprächs kam der Bruder mit einer Last Steine ge
fahren; ich half beim Abladen der großen Granitstücke, soviel ich konnte. Als an Stelle des einen müden Zugtieres ein anderes eingespannt wurde,
fuhr ich mit zum Steinbruche am Berge, um den Vater und Besitzer kennen
zu lernen. Er arbeitete mit mehreren Hereros fleißig und ließ sich nicht
viel stören, da es bald Zeit zur Mittagspause war. Es sollte noch ein
Wagen beladen werden, weil die Hereros nicht gern länger als ihre ver-
pflichtete Zeit arbeiten wollen und jetzt wohl wissen, daß sie nach dem Willen der Regierung nur gerecht und freundlich behandelt werden dürfen. Obgleich sie keine Uhren haben, wissen sie die Zeit ziemlich genau, wie ich oft selbst mit Staunen erfahren habe. Wenn sie sich gegen Überschreitung ihrer Arbeitszeit wehren, die nicht länger als jetzt bei uns in Deutschland zu sein Pflegt, dann wird wohl niemand mehr glauben, daß sie roh oder unmenschlich be-