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eine Larve, deren Körpersaft als Pfeilgist benutzt wird, und so sammeln die Buschmänner einige Larven und bergen sie in einem Horn, das mit Gras verschlossen wird. Ohne zu halten, durchschreitet man kurz darauf eine gewaltige Schar hüpfender junger Heuschrecken. Aber man merkt sich die Stelle, denn am nächsten Tage sollen die Kinder ausziehen, sie zu sangen.
Nun eilen die Buschmänner direkt dem Lager zu, das sie erst in der Dunkelheit erreichen. Ungern nur wandert der Buschmann nachts. Auch ohne Gespensterglaubeu ist das jedem verständlich, der einmal in voller Dunkelheit durch die Steppe gelaufen ist. Die kleinen, niedrigen Dornbüsche sind im Dunkel unsichtbar, fortwährend reißt man sich daran die Beine blutig. Das Lager gerät bei der Ankunft unserer Freunde in Bewegung. Die Säcke werden abgelegt und entleert. Da kommt nun die Ernte des Tages zum Vorschein: Wurzeln, Knollen, Früchte, Raupen, erlegte Vögel, große Ochsenfrösche, Schildkröten, Heuschrecken, selbst Schlangen. Die Beute wird verteilt, man geht an die Zubereitung des Mahles. Kochen ist ungewöhnlich, da es meist an Töpfen fehlt; Kohlen und heiße Asche werden zum Braten benutzt.
Das Mahl ist fertig. Schmatzend, die Finger leckend wie Affen, sitzen sie um das Feuer herum, gierig schlingend. Und was für große Portionen I Nach dem Essen bleiben die Männer noch beisammen und unterhalten sich von den Erlebnissen des Tages, während das junge Volk singend und tanzend, lachend und mit den Händen klatschend, einen betäubenden Lärm verübt. Bis spät in die Nacht hinein dauert die Lustbarkeit. Unermüdlich ist der Buschmann, trotz der Strapazen des heutigen Tages, und über dem Gesang und Tanz vergißt er alle Leiden.
Aber der Himmel selbst bereitet dem Spiel ein jähes Ende. Er überzieht sich schwarz, und plötzlich setzt ein furchtbarer Sturm ein, und gleich darauf prasselt der Regen hernieder. Alles stiebt auseinander und sucht hinter den Windschirmen Schutz. Das Feuer facht man noch schnell durch aufgeworfenes Holz an, dann kriecht man unter den Lederniantel und läßt Sturm und Regen über sich ergehen. Der letzte Funke von Glut erlöscht, und zitternd vor Frost liegen alle zusammengedrängt auf nasser Erde unter nassem Mantel, Männer, Frauen, Kinder, Säuglinge — sie, die eben noch in ausgelassenem Übermut herumsprangen, lachten und scherzten. Wohl ihnen, wenn am nächsten Morgen die Sonne wieder scheint und unter ihren wärmenden Strahlen neues Leben in die erstarrten Glieder strömt. Aber oft genug hält der Regen noch am nächsten Morgen an. Welche Mühe, welche Arbeit, neues Feuer anzuzünden, wo alles, alles durchnäßt ist! Ja, das Buschmannsleben ist furchtbar hart und entbehrungsreich. Und doch bezieht sich die hier gegebene Schilderung auf die beste Zeit im Jahr, die Zeit des Überflusses au Nahrung und Wasser. P^f, vr. S. Pas sarge.
8. kciusbtiu.
Monatelang hatte uns das Wellblechhaus zur Unterkunft genügen müssen. Nur notdürftig hatte es uns Schutz vor Regen, Staub und Ungeziefer geboten, und wir sehnten uns alle nach einem festeren und behaglicheren Heime