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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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7. 6us 66IN ltLben einer kuscknicmnkaniilis in Oeutlck- Züäwestakrilrci.

Die ersten starken Regen sind gefallen, die Trockenzeit hat ein Ende, der Dezember steht vor der Tür. Da rüsten sich die Buschmänner zur Reise ins Sandfeld : die Männer in vollem Waffenschmuck, die Frauen beladen mit Bündeln, die ihre Hausgeräte, Mörser, Stößel, Schalen und sonstigen Gebrauchsgegenstände, in Felle eingeschnürt, enthalten. Einzelne und mehrere Familien in einer Stärke von 100 Köpfen und darüber ziehen nun hinaus in die Steppe und streben ihren Bezirken zu. Der Weg ist weit, Tage, ja Wochen weit. Hier schwenkt diese, dort jene Familie ab. Endlich ist das Ziel erreicht, das Jagdgebiet, in dem man sich den größten Teil des Jahres aufhalten will.

Ein Lagerplatz wird bezogen und ein Feuer angezündet. Hat man kein brennendes Holzscheit mitgenommen, so macht eine Frau oder ein Mann Feuer mit den Feuerstöcken. Die Stöcke besitzen verschiedene Härte. Der weichere liegt auf der Erde, und man setzt einen Fuß auf ihn, der andere, harte, wird senkrecht auf das eine Ende des vorigen gesetzt und zwischen den flachen Händen gequirlt. Dabei entsteht ein feines Bohrmehl, das zu kohlen und zu schwelen beginnt. Durch Anblasen sucht ein zweiter Mann Glut zu entfachen und trockenes Gras in Brand zu setzen. In 13 Minuten hat man Feuer.

Während man auf der Reise ohne jede Hütte schläft oder höchstens einige Aste eines Busches zusammenbindet, Felle oder Grasbüschel darüber legt und so ein Schutzdach gegen Regen schasst, baut man in den ständigen Lagerplätzen Windschirme; ein Gerüst, das aus gebogenen, in die Erde ge­steckten Stücken besteht, wird mit Gras gedeckt und Dorngestrüpp zum Schutze hernmgelegt. Ein solches, aus einem Dutzend Schirme bestehendes Lager, liegt im Busch des Sandfeldes, abseits von jedem Wasser. Hier ist der Buschmann sicher vor seinen Unterdrückern, den Negern und Hottentotten. Er braucht nicht zu fürchten, daß er vom Wild bemerkt werde und keine Angst vor den Elefanten und Rhinozerossen, die die Wasserplätze nächtlich besuchen, zu haben.

Die aufgehende Sonne findet das Lager schon in voller Tätigkeit. Fröstelnd hocken die Männer um das Feuer, in die Ledermäntel gehüllt. Einer hält die auf den Stock gespießte Keule eines Tags vorher gejagten Tieres ins Feuer, schweigend sehen die übrigen zu. Außen schwarzverbrannt, im Innern noch halb roh und blutend, wird das Fleisch mit Fingern und Messern in Stücke zerrissen und gierig verschlungen. Der Knochen wird auf­geschlagen und das Mark verzehrt. Jetzt noch ein Schluck Wasser aus einem als Becher dienenden Straußenei, die Tasche mit Bogen und Köcher wird umgehängt, und man ist fertig zum Aufbruch. Jedem ist vom Häuptliug eine Aufgabe für den Tag zuerteilt. Die Frauen holen Wasser oder Holz; andere sammeln Wurzeln, Früchte und alles, was ihnen sonst in den Weg kommt.

Wir wollen den Häuptling begleiten. Seine kleinen, dünnen, gelb­braunen, schmutzigen Kerlchen schwärmen aus. Schnellen Schritts, mit ihren einwärts gestellten Füßen watschelnd, gleiten sie dahin, Grasstauden und

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