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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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rehähnlich, liefen zuweilen allein oder in Rudeln behende über die Blößen im Busch. Fremdartige Böget, etwas größer als Rebhühner, grau und weiß gesprenkelt, flogen über die Büsche hin und ließen sich nieder. Baum­gruppen standen stattlich und schön in dem weichen Grün; von fern schauten grüne Bergabhänge nicht unfreundlich herüber. Aber meine Kameraden muckten das Land nicht leiden; ich glaube, es war ihnen nicht fremdartig, nicht wunderbar genug. Sie wollten, daß Afrika ganz, ganz anders aussähe als die Heimat.

Am Nachmittag kamen wir in der Hauptstadt an.

>Aus dem BuchePeter Moors Fahrt nach Südwest" von Gustav Frenssen.

H. Die kboltslitoltLN.

Der Hottentotte ist im allgemeinen von mittlerem Wuchs und über- scbreitet selten die Höhe von 160163 ein, wenn auch die schlanke, hagere, ofi j'den Fettansatzes entbehrende Körpergestalt häufig den Eindruck auf­fallender Größe hei vorruft. Die Hautfarbe schwankt zwischen aschgelb und gelbbraun; nicht selten trifft man auch ganz hellgefärbte Leute.

Die Form des Schädels läßt sich, von fern betrachtet, ungezwungen mit eniem auf die Spitze gestellten Ei vergleichen; die Haargrenze oberhalb der schmalen, meist tief gefurchten Stirn entspricht der Grundlinie eines spitzwinkligen, gleichseitigen Dreiecks; das schmale scharf umrissene Kinn seiner Spitze Der Mund ist breit, die Lippen sind hervortretend, dick und auf- gewoifin, von matt roter Farbe. Die Nase verleiht dem Gesichte den Aus­druck der ausgeprägten Häßlichkeit; entweder flach oder sogar sattelförmig nach innen gebegen, verbreitet sie sich nach unten stark; die Nasenlöcher sind groß, rundlich und von vorn sichtbar. Die weit auseinander stehenden Bactenknochen treten stark hervor.

Die zusammengekniffenen Augen und die faltige, niedrige Stirn geben dem Gesichte den Ausdruck des Unzufriedenen und Mürrischen, ohne daß dieser Ausdruck dem seelischen Zustande des Betreffenden entspräche. Bei uns erweckt er jedoch unwillkürlich ein Gefühl der Unbehaglichkeit und des Mißtrauens. Die Ohren sind durchschnittlich groß und meist mit einem ent­weder angewachsenen oder nur schwach ausgeprägten Ohrläppchen versehen. Die Zähne sind im allgemeinen sehr gut schalten; namentlich ist durchschnitt­lich die Krone der Backenzähne, die bei den Ackerbau treibenden Ovambo häutig stark abgescheuert ist, unversehrt. Die Gliedmassen sind ausfallend schwach entwickelt, die Arme und Oberschenk l dünn, die Unterschenkel ohne Waden Das einzige, worauf der Hotten'oite, sofern er Europäer wäre, slol, ßin düifie. sind die kleinen Hände und Füße, die, wären sie weniger knochig, sogar zierl ch genannt werden düiften.

W e man sich bei uns den Hottentonen gern als Ausbund aller Häß­lichkeit vorstellt, so denkt man sich ihn auch als einen geistig auf niedrigster Stufe stehenden Menschen. So große Feh'er auch der Hottentotte hat, so groß sind doch a' ch wieder seine Vorzill e, die ihn weit über seine dunkler gefärbten Nachbarn emporheben. Der Hottentotte ist in jeder Beziehung gefällt.,, und seine Bereitwilligkeit dem Bedrückten und Hülfsbedürftigen bei-

Kolonial-Lesebuch. g