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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
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Blick. Nach dem Austausch einiger Bcgrüßungsworte entstand eine Pause, die ich absichtlich etwas lang werden ließ, weil ich merkte, daß er etwas ver­legen wurde. Endlich sagte ich, daß wir sehr durstig seien, und daß wir gern etwas Bier trinken möchten. Fast unmerklich glitt ein Lächeln über seine Züge. Ganz leise sprach er einige Worte. Plötzlich erschien eine Ovambo- fran, ließ sich auf die Knie vor ihm nieder, erhielt mit gesenktem Blick ihren Auftrag, wobei wir nur hörten:Ja Herr und Löwe." Dann erhob sie sich, ging, den Blick auf den Boden, rückwärts bis zur Tür und verschwand eiligst. Sie brachte zwei Becher Bier, wir leerten sie und verabschiedeten uns auf das freundlichste.

Der Marsch durch die herrlichen Parklandschaften des Ovambolandes mit ihren Palmenhainen, den Eingeborenendörfern und ihren bestellten Feldern wird uns unvergeßlich bleiben. Ohne Schwierigkeit erreichten wir den Kunene. Der Übergang über diesen nördlichen Grenzfluß unserer Kolonie war wegen der vielen Krokodile nicht ganz ungefährlich, ging aber ohne Unfall von statten. In der ersten portugiesischen Militärstation teilte ich meine Expedition. Ich selber ging, mit der allernotwendigsten Begleitung, gerade nach Westen zu dein ersten Künene-Fall. Dieses Gebiet unterhalb der Wasserfälle war fast unbekannt, und wir hörten die tollsten Gerüchte über seine Wildheit und Unwegsamkeit. In der Tat übertraf die Wirklichkeit noch diese Gerüchte. Während das Land oberhalb des ersten Wasserfalles das Aussehen des Ovam­bolandes hat und zur Hochebene gehört, treten wir unterhalb in ein wildes Gebirgsgebiet ein, das von einer fast undurchdringlichen Dornbnschsteppe überdeckt ist. An die Ritte durch dieses Gebiet, an unsere Fußmärsche zum Besteigen der Hügel und Berge behufs Aufnahme einer Landkarte werden wir zeitlebens zurückdenken. H^r ist noch das wildeste Afrika. Hier war damals auch noch das afrikanische Großwild in großer Zahl vertreten: Elefanten­herden zu mehreren hundert Stück, Rhinozerosse, Flußpferde, Giraffen und alle Antilopenarten. Auch der Löwe tritt hier zahlreich auf. Eines Nachts besuchte uns ein großer männlicher Löwe sogar im Lager und richtete eine tolle Verwirrung unter unseren Pferden an, die sich alle losgerissen hatten und schnaubend und stampfend umherliefen. Mit Feuerbränden konnten wir ihn noch vertreiben. Natürlich schössen wir auch, trafen ihn aber leider nicht.

Das landschaftlich interessanteste und großartigste Schauspiel bot der dritte Kunene-Fall, den wohl noch kein Weißer gesehen hatte. Hundert Meter tief stürzt hier der Kunene in ein einges Felsental. In der Regenzeit, wenn der Strom seinen höchsten Wasserstand hat, wird dieser Wasserfall kaum dem Niagarafall in Nordamerika oder den Viktoria-Fällen des Zambesi nachstehen.

Von Or. Georg Hartmann.

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Der Zug bestand aus einer endlosen Reihe von kleinen rohen Sand­wagen; davor waren fünf oder sieben ganz kleine Maschinen gespannt. Wir wurden auf die Wagen verteilt und stiegen ein. Dann ging es langsam mit Fauchen und Stoßen und Klappern hinein ins Land.